Als sich die beiden Veteranen des Kalten Krieges Bob und Boris bei einem Bier trafen, trauerten sie den guten alten Zeiten nach.

„Mann, weißt du noch, als wir für euch das ‚Imperium des Bösen‘ waren?“ fragte der Russe. Der Amerikaner nickte: „Und wir für euch die kapitalistischen Ausbeuter. Aber dann kam leider dieser Gorbatschow an die Macht, war der nicht zu verhindern, Boris?“

„Wir haben wirklich alles versucht, leider vergebens“, meinte der Russe traurig. „Mir schwante schon Unheil, als ich Raissas schicke Frisur auf ihrer ersten Auslandsreise sah“, sagte Bob, und Boris nickte: „Ihr ganzer Modestil deutete auf unheilvolle Reformen hin.“ Dazu Bob: „Und dann suchte er uns auch noch mit seinen immer verführerischeren Abrüstungs- und Friedensvorschlägen heim, die immer schwerer abzulehnen waren.“ Boris stimmte angewidert zu: „Den Gorbatschow hat uns der Teufel geschickt. Sein Kurs ist eine Bedrohung für uns alle! An die Null-Lösung scheint er ja selber zu glauben.“ – „Um so schlimmer“, fand Bob.

„Leider ist euer Mann auch nicht mehr der Grenada-Ronnie, der er einmal war“, monierte Boris. „Alles Nancy“, klagte Bob. „Die hat ihm den Friedensnachruhm-Floh ins Ohr gesetzt, unserer schweigenden Mehrheit hat das schier die Sprache verschlagen.“

„Eines Tages werden Michail und Raissa noch vor dem Bildschirm sitzen und wegen der Stimmen der Kirgisen um seine Wiederwahl bangen“, schauderte es Boris. „Gewisse Leute bei euch scheinen sich wunder was von den Segnungen der Demokratie zu versprechen“, nörgelte Bob. Vor den Lockerungen der Zensur kann ich nur dringend warnen, Boris, bei uns sollten sie endlich verschärft werden.“

Boris legte dem alten Kumpanen herzlich die Hand auf die Schulter: „Genosse Stalin rotiert heute bestimmt in seinem Grab.“

„Dieser Gorbatschow ist ein zweiter Dubček. Man weiß ja, wie so was endet“, gab Bob zu bedenken. „Dein Wort in Gottes Ohr“, antwortete Boris; „wir dürfen nicht das Vertrauen in die Rote Armee verlieren. Die wird ihm schon beizeiten das Handwerk legen. Wenn er es nur wagen sollte, mit der Räumung von Afghanistan ernst zu machen. Für eure Contras in Nicaragua wäre das übrigens geradezu ein Todesstoß.“ Bob nickte mit ernster Miene: „Es könnte noch schlimmer kommen, Boris: weitere zwei Jahre Gorbatschow, und Rambo spielt nicht einmal mehr seine Herstellungskosten ein.“