Sepak Takraw – was ist das? Ein indisches Reisgericht? Ein malaysischer Wickelrock? Ein Kampfsport aus Thailand? Nun, Sepak Takraw ist, oberflächlich betrachtet, eine Art Tennisfußball, die dem Anfänger Beulen am Kopf garantiert. Denn der Ball, den es über ein Netz zu spielen gilt, ist eine 160 Gramm schwere, aus Rattan geflochtene Kugel, die zwar relativ leicht, aber knochenhart ist. Die Kugel darf mit dem ganzen Körper gespielt werden – ausgenommen Hände und Arme.

Das Spiel stammt aus Indonesien und wurde bei den Asien-Spielen in Seoul als Demonstrationssportart einem großen Publikum vorgeführt. Daß sich in Zukunft auch Europäer oder Amerikaner dabei Beulen holen, ist nicht unbedingt zu erwarten, denn Sepak Takraw gehört zu jenen asiatischen Sportarten, die sich nicht ohne weiteres übertragen lassen.

Trotzdem hat die Deutsch-Indonesische Gesellschaft einen Versuch in dieser Richtung gemacht. Zusammen mit der Universität Hamburg veranstaltete sie vor einiger Zeit ein Turnier, an dem sich auch deutsche Mannschaften beteiligen durften, die mächtig Lehrgeld zahlten: Meistens genügte ein einziger indonesischer Spieler auf der anderen Seite des Netzes, um das Match gegen „rein deutsche“ Teams zu entscheiden.

Zu einer Mannschaft gehören drei Spieler. Innerhalb dieser Crew darf der Ball dreimal nacheinander gespielt werden, auch vom selben Spieler. Es wird jeweils in zwei oder drei Sätzen mit 15 Gewinnpunkten gespielt, wobei nur die aufschlagende Partei einen Punkt erzielen kann. Spielfeld und Netzhöhe sind wie beim Badminton. Immer noch oberflächlich beschrieben ist Sepak Takraw also eine Mischung aus Fußballtennis, Volleyball und Badminton.

Über die Geschmeidigkeit, mit der die Asiaten in diesem Spiel den Ball selbst noch in Schulterhöhe mit dem Fuß übers Netz schmettern, werden Europäer schwerlich jemals verfügen. Aber auch diese – ganz persönliche – Erkenntnis soll nicht verschwiegen werden: Sepak Takraw ist ein faszinierendes Ballspiel, das die deprimierende Erfahrung vermittelt, wie steif man im Laufe der Jahre selbst geworden ist. Gewiß, die Sepak-Takraw-Experten aus Padang sind sehr freundlich, als ich mit einem Anflug von Überheblichkeit – war ich nicht früher mal ein ganz passabler Fußballspieler? – den Ball vom linken auf den rechten und vom rechten auf den linken Fuß zu heben versuche. Die artistische Selbstdarstellung endet prompt in der Blamage. Was ich noch heute mit dem Fußball kann, mißlingt mir mit der Rattan-Kugel: Sie springt mir sofort vom Fuß.

Der Hamburger Studienrat Thomas Smidt arbeitete drei Jahre lang als Entwicklungshelfer in Indonesien. Er ließ sich von Sepak Takraw faszinieren und brachte dieses Spiel nun mit nach Deutschland. „Es ist der Versuch“, sagt er, „eine Sportart der Dritten Welt auch bei uns vorzustellen. Wir meinen, daß man Menschen auch dadurch besser verstehen lernt, daß man sich mit ihrem Volkssport beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit dem Sport fremder Kulturen kann helfen, auch das eigene Sportverständnis kritisch widerzuspiegeln.

In seiner ursprünglichen Form wurde Sepak Takraw ohne jeglichen Wettkampf-Anspruch und nur im Kreis gespielt. Dabei ging es darum, den Ball so lange wie möglich in der Luft zu halten. Es gab keine Gegner, alle spielten miteinander. Der „Rekord“ (wie häufig der Ball in der Luft zu halten war) war immer ein Gemeinschaftserlebnis. Etwa seit Ende der Sukarno-Zeit (seit 1966) wurde dann allerdings die überlieferte Sportart des Sepak Takraw staatlich gefördert. Und damit wurde aus dem Gemeinschaftsspiel der Wettkampfsport.