Im öffentlichen Dienst gibt es 3,4 Prozent mehr Lohn. Das dämpft die Erwartungen der Drucker und Metaller.

Das erste Datum ist gesetzt. Die 2,7 Millionen Beschäftigten bei Bund, Ländern und Gemeinden erhalten in diesem Jahr Einkommensverbesserungen von 3,4 Prozent. Bemerkenswert an diesem Abschluß, mit dem beide Seiten durchaus zufrieden sein können, ist vor allem die Gelassenheit, die die Kontrahenten im öffentlichen Dienst an den Tag legten: Ohne die Begleitmusik klappernder Mülldeckel, ohne die üblichen Grabenkriege, ohne Schlichter und ohne Arbeitskampf kam ein achtbares Ergebnis zustande.

Gewiß, reine Lohn- und Gehaltsrunden sind stets einfacher als komplizierte Verhandlungen über Urlaubsdauer oder Arbeitszeit. Und wenn es obendrein noch wie bei der Metall- und Druckindustrie um die flexible Gestaltung der Arbeitszeit geht, wird es vollends schwierig. Für diese beiden Branchen wird deshalb der Verlauf der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst keine Signalwirkung haben. Neue Arbeitszeitvereinbarungen ohne Schlichtung – vielleicht gar ohne Streik – sind nach dem derzeitigen Gesprächsstand kaum vorstellbar.

Den Zwang zur friedlichen Einigung über die anstehenden Tarifprobleme gibt es in der Bundesrepublik nicht. Dieter Kirchner, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, hat zwar einen solchen "Frieden auf Zeit" gerade erst ins Gespräch gebracht. Doch viel Aussicht auf Erfolg hat sein Vorschlag nicht – zumindest nicht für die absehbare Zukunft. Denn die Gewerkschaft will sich auf derartige Abkommen bisher nicht einlassen, und die Erfahrungen, die sie in der Arbeitsrunde von 1984 mit den Arbeitgebern machte, haben ihr Mißtrauen gegenüber einer generellen Bereitschaft der Unternehmer, friedliche Lösungen anzupeilen, verstärkt. Es wird noch lange dauern, bis die Wunden von damals verheilt sind.

Die Höhe der Vereinbarung im öffentlichen Dienst setzt gleichwohl ein Zeichen für die noch laufenden Verhandlungen in anderen Branchen. Die Arbeitgeber kennen ebensogut wie die Gewerkschaften die Faustformel, nach der die gewerbliche Wirtschaft im allgemeinen um einen halben bis einen Prozentpunkt über den Einkommensverbesserungen für den öffentlichen Dienst liegt. Peter Stihl, Verhandlungsführer der Metallindustrie in Baden-Württemberg, spricht denn auch schon von einem "unglücklichen Datum".

Er weiß, daß die IG Metall nun auf einen Abschluß im Volumen von mindestens vier Prozent, womöglich gar ein wenig mehr, pochen wird.

Für die Beschäftigten könnte eine Lohnanhebung, die unter der Marke von 3,4 Prozent liegt, nur dann attraktiv sein, wenn der Rest in die weitere Verkürzung der Arbeitszeit gesteckt wird. Doch auch dafür bleibt nicht allzuviel übrig. Unterhalb der von den Arbeitgebern bisher schon angebotenen Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,7 Prozent werden die Verhandlungskommissionen der IG Metall kaum bleiben können. Und eine Stunde weniger Arbeitszeit kostet nun einmal ebenfalls 2,7 Prozent.