Diepholz

Im Gasthaus „Lindenhof“ zu Marl ging es hoch her. Rund 400 aufgebrachte Landwirte gaben sich die größte Mühe, lautstark ihren Unmut kundzutun – einer hatte sogar eine Trompete mitgebracht.

Opfer der akustischen Attacken war der niedersächsische Landwirtschaftsminister Burkhard Ritz. „Dich hat doch der Honecker geschickt“, schallte es dem CDU-Mann entgegen, „das ist eine Kriegserklärung.“

„Er kämpfte wie ein Segler gegen den Strom“, urteilten die Lokalblätter anderntags – das soll heißen: Der Minister war mit seinen Bemühungen gescheitert, „eine der schwierigsten, aber auch notwendigsten großen Naturschutzmaßnahmen seit Bestehen des Bundeslandes“ den davon Betroffenen schmackhaft zu machen.

Es geht um die Sanierung der Dümmer-Niederung, einem etwa 45 Quadratkilometer großen Gebiet im Süden Niedersachsens, in dessen Mitte der Dümmer See liegt, ein beliebtes Ferienziel für Erholungssuchende und Surfer, aber auch eines der wertvollsten Feuchtgebiete Mitteleuropas.

Viele vom Aussterben bedrohte Vogelarten, wie etwa die Trauerseeschwalbe, der Kampfläufer oder der Weißstorch, suchen sich hier Rast- und Brutmöglichkeiten, Zahlreiche andere selten gewordene Tier- und Pflanzenarten finden in Erlenbrüchen, Hochmooren, Sumpfgebieten und Wiesen rund um den See noch halbwegs geschützte Reservate, und Millionen von Zugvögeln machen hier alljährlich Rast.

Obwohl besondere Schutzmaßnahmen zum Erhalt dieser Region angekündigt wurden, geschieht das Gegenteil: Der Dümmer ist in Gefahr.