Frankreichs junge Araber, zwischen den Kulturen, wollen nicht länger zwischen allen Stühlen sein

Von Alphons Schauseil

Ein Butterkeks mit Kopfhörern – das ist das muntere Symbol des Pariser Lokalsenders Radio Beur. „Petit beurre“ heißt das einem deutschen Markenkeks ähnelnde Gebäck, und „Beim“, genauso ausgesprochen wie dieses Plätzchen mit den vielen Zehen, nennen sich die jungen Nordafrikaner, die im Vorort Saint-Quen von abends sechs bis früh um sechs ihren Sender auf 98,5 MHz betreiben und mit Keks-Plakaten zum Kosten ihres Produkts auffordern: Goutez!

Das Wort, mit Selbstironie gebraucht, beschreibt die Situation der Redaktion und ihrer Hörer. „Berber in Europa“ hat man das Kürzel gedeutet, doch die schöne Farida Khelfa, die das Wort erfunden hat, behauptet, es stehe für „Araber verkehrt herum“. Die Endsilbe von „arabe“, als kurzes „bö“ ausgesprochen und vorangestellt, ergebe „beuara“, daraus wurde dann Beur. Ein Araber also, der gespalten ist, der zwischen den Kulturen lebt – der eigenen, oft vergessenen, und der nie ganz akzeptierten des Gastlandes.

In gewisser Weise ist die Situation der Araber in Frankreich vergleichbar mit der der Türken in der Bundesrepublik. Nur, die Immigranten aus den ehemaligen französischen Territorien und Mandaten Algerien, Tunesien und Marokko schlagen die Brücke leichter – francophon ist der Maghreb noch immer. Mit 780 000 Menschen sind die Algerier, nach den Portugiesen, die stärkste Einwanderergruppe in Frankreich, an dritter Stelle folgen 520 000 Marokkaner. In einer Zeit, da der Rechtsextremist Le Pen mit seiner Nationalen Front die Stimmung schürt gegen diese „artfremden“ Mitbürger und ihnen die Hauptschuld an Kriminalität und Arbeitslosigkeit in die Schuhe schiebt, hat sich ein Teil der jungen Arabergeneration einen Platz erobert in der französischen Gesellschaft. Oder, wie es der Comic-Strip-Autor Boudjhellal, ausdrückt: „Das einzige, worin ich den Rassisten recht gebe, ist, daß die Einwanderer überall sind. Also, warum nicht auch in den Medien?“

Ein akrobatischer Gesang

Sie wissen ihre Trommel inzwischen so gut zu rühren, daß ihnen nicht nur die eigenen Leute begeistert zuhören. Mit der arabischen Musik ist das allerdings so eine Sache: Entweder man hält sich die Ohren zu oder man lauscht hingerissen. Das tat ich schon in den fünfziger Jahren als Student in Paris. In der Rue de la Huchette, unweit der Jazzkeller, blieb ich oft eine kleine Ewigkeit vor den Auslagen mit giftgrünem oder von Schmalz glänzendem Zuckerwerk stehen, um den klagenden Singsang der Ägypterin Oum Khalsoum zu hören, der aus den kleinen Läden drang.