Auf der ersten sowjetischen Tourismus-Börse in Moskau stand die Frage im Vordergrund, wie sich die Politik der Regierung Gorbatschow auf den Tourismus in der UdSSR auswirken soll.

Vor 700 Teilnehmern aus 50 Ländern bekundeten Vertreter der staatlichen sowjetischen Reiseorganisation Intourist, daß der Fremdenverkehr in der Sowjetunion modernisiert werden soll. Es wird angestrebt, die Dienstleistungen im Tourismusgewerbe zu verbessern und die Infrastruktur zu erweitern. Geplant sind weitere Hotelneubauten. Daneben sollen jedoch auch Pensionsunterkünfte geschaffen und Campingplätze angelegt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, sucht die Sowjetunion verstärkt ausländische Partner, die mit Kapital und technischem Know-how in der UdSSR aktiv werden sollen. Den Investoren wird zugesagt, daß sie die erzielten Gewinne in der von ihnen gewünschten Währung ausführen können. Als Beispiel wurde in Moskau die Zusammenarbeit mit Finnair genannt. Mit Geldern der finnischen Fluggesellschaft wird das traditionsreiche Moskauer Hotel „Berlin“ renoviert. Das Haus soll an internationale Reservierungssysteme angeschlossen werden.

Der bis 1990 reichende Fünf jahresplan sieht Hotelneubauten mit mehr als 15 000 Betten vor. Neben den Schwerpunkten Moskau und Leningrad sind auch Standorte in entlegenen Regionen wie Mittelasien und Sibirien sowie in fernöstlichen Gebieten der UdSSR vorgesehen. Gegenwärtig werden außerdem neue Reiserouten ausgearbeitet, beispielsweise entlang der alten Seidenstraße.

Daß eine Änderung der Moskauer Tourismuspolitik angestrebt wird, signalisieren zwei personelle Neubesetzungen in höchsten Positionen. Zum neuen Tourismusminister wurde vor einem Jahr Wladimir Pawlow berufen. Sein Stellvertreter Igor Aleksejewitsch Konowalow nimmt den Rang eines Vorstandsvorsitzenden bei Intourist ein. Die Organisation, die mit vollem Namen „Allunions-Aktiengesellschaft Intourist“ heißt, soll in ein sich selbst finanzierendes Unternehmen umgewandelt werden.

Wie die Volksrepublik China, die 1983 erstmals eine internationale Tourismus-Konferenz nach Peking berief, legen auch Sowjet-Vertreter Wert auf die Feststellung, Tourismus solle nicht nur Busineß sein, sondern auch der Völkerverständigung dienen. Rainer Traser