Subventionen haben einen denkbar schlechten Ruf. Werden sie verteilt, halten zwar alle die Hand auf, Unternehmer, wenn es um ihren Vorteil geht, Politiker, wenn ihre Klientel bedient werden will. Sobald die Diskussion vom Konkreten ins Abstrakte führt, sind sich auch alle wieder einig: Subventionen müssen weg. Wer allerdings wie Wirtschaftsminister Martin Bangemann ganz laut artikuliert, wie verderblich Subventionen im Ernstfall sind, riskiert seinen politischen Kopf.

Immer neue Subventionen lassen sich sehr viel besser verkaufen als der Abbau staatlicher Hilfen. Forschungsminister Heinz Riesenhuber hat das kürzlich vorgeführt. „Wir sind stolz auf unsere Leistungen“, verkündete er bei der Vorstellung des neuen Superchips, den Siemens und Philips mit seinem Geld – 320 Millionen Mark – in kürzester Zeit entwickelt haben. Riesenhubers Erfolgsmeldung: „Deutschen Ingenieuren ist damit ein entscheidender Schritt auf dem Wege zu den modernen und leistungsfähigen Mikroprozessoren gelungen.“ Geld für Gold?

Geld für Gold ist wohl die griffigste Formel für die staatliche Forschungsförderung. Sie ist Begründung und Hoffnung zugleich – seit antiker Zeit. Schon Athen förderte den Herodot mit einer Studie über den Abakus, die Rechenmaschine der Griechen. Gutes Geld ließ man im Mittelalter in der Hoffnung springen, die Alchimisten machten in ihren Hexenküchen aus mancherlei niederen Materialien glänzendes Gold. Und vorige Woche erst rangen EG-Minister in Brüssel um weitere Milliarden für europäische Weltraumlabors. Vom antiken Heureka bis zum europäischen Forschungsprogramm Eureka, vom Abakus bis zum jüngsten Vorstoß in physikalisch-technische Grenzbereiche der Computer-Miniaturisierung, verläuft eine gerade Linie. Wo immer technische Zukunft im Ungewissen liegt, ist der Staat bereit, sie mit Geld zu erhellen.

Die Ergebnisse solcher Zukunftsforschung haben oft zweifelhaften Wert. So paßt ins Bild: Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Der Schnelle Brüter in Kalkar, der bald sechs Milliarden Mark gekostet hat, erstarrt zur Ruine. Der neue Superchip hat seine Bewährung auch erst noch zu bestehen. Nicht ausgeschlossen ist, daß die jetzige Laborfassung bei der späteren kommerziellen Einführung durch einen völlig neuen Super-Super-Chip überholt ist. Und dann?

Vielleicht haben die Ökonomen doch recht, die Subventionen grundsätzlich für schädlich halten, ob zur Erhaltung notleidender Unternehmen oder zwecks Förderung von Forschung und Technologie. Mit Marktwirtschaft und ihren Idealen haben sie nichts zu tun. Die Ökonomen setzen auf Wettbewerb. Der Bessere siegt, der Verlierer bleibt auf der Strecke. Die reine Lehre, bei Darwin kopiert, wird freilich trüb, sobald sie in die Praxis umgesetzt wird. Selbst hartgesottene Marktwirtschaftler billigen dem Staat immerhin Ausgaben für die Grundlagenforschung zu.

Hier beginnt dann schwieriges Terrain. Das Lexikon definiert Grundlagenforschung als zweckfreie Forschung, als wissenschaftliche Beschäftigung mit dem systematischen und methodischen Fundament einer wissenschaftlichen Disziplin. Bei enger Auslegung dieses Satzes läßt sich damit bestenfalls die Finanzierung der Hochschulen und ihrer Forschungslabors begründen. Um mit dieser Definition die milliardenteuren Ausflüge in die Höhe des Alls oder die Untiefen der Meere zu rechtfertigen, bedarf es schon gewagter Verbal-Klimmzüge. Die Realität der Grundlagenforschung sieht anders aus. Sie beginnt – verkürzt formuliert – dort, wo private Unternehmen keine reale Chance auf Gewinne sehen. An dieser Schnittstelle beginnt das Dilemma der Abgrenzung. Was ist Sache des Staates, was bleibt dem Wettbewerb? Die amtliche Bonner Forschungspolitik gibt folgende Antwort: „Einsatz öffentlicher Mittel grundsätzlich nur dort, wo eigene staatliche Verantwortung liegt und wo aus übergeordenten oder gesamtwirtschaftlichen Gründen Forschung und Entwicklung einer Unterstützung bedürfen.“

Das rechtfertigt nahezu jedes staatliche Handeln. Daß die Politik auf solche Generalklauseln ausweicht, hat jedoch Gründe. Sie schließlich trägt die gesamtwirtschaftliche Verantwortung. Und so richtig auch ist, daß Politiker kaum klüger als Unternehmer im harten Konkurrenzkampf sind, so richtig ist auch, daß sie kaum dümmer als die sind, die im Markt versagen. Außerdem: Die Anwendung der reinen Lehre – etwa des Ökonomen Milton Friedman – hat dort versagt, wo sie möglichst unverfälscht in die Praxis umgesetzt wurde.