Von Tadeusz Konwicki

Es treibt mich fort. Es treibt mich fort von der Belletristik. Mit der Kraft eines Düsenmotors treibt es mich fort von der erzählerischen Arbeitsweise. Um sein Prestige nicht zu verlieren, sieht man sich genötigt, von Zeit zu Zeit einen Roman zu zeugen. Es wäre höchste Zeit, sich einen Band Prosa herauszuquälen. Aber ich kann nicht. Ich kann es einfach nicht...

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1981. Ich blicke auf dieses Datum mit den Augen eines Menschen aus unbekannter Zukunft. Was bedeutet dieses Jahr, woran erinnert es, welche psychologische Aura vermittelt es den Nachkommen? 1980 und 1981 – die Jahre noch eines Aufstands. Eine polnische Kreation. Unblutige Aufstände. Oder besser – fast unblutige Aufstände. Psychologische Aufstände. Insurrektionen des Selbstbewußtseins. Revolten im Nervensystem der Libido. 1956, 1968, 1970, 1976 und 1980.

Haben wir gewonnen oder verloren? Niemand weiß es. Weder Breschnjew, noch der Papst...

Alle wundern sich, und wir selbst wundern uns auch, wie das kommt: Alle haben sie das gleiche System, nur – die Tschechen leben erträglich, die DeDeErler nicht schlecht, die Ungarn sind fast wohlhabend und die Polen am Boden. In wirtschaftlichen Hinsicht. In Prag zum Beispiel sind die Fleischerläden voll Ware, in Warschau leere Haken, was sonst. In der DDR haben die Züge 45 Minuten Verspätung, bei uns sechs Stunden, in Ungarn wartet man auf eine Wohnung zehn Jahre, bei uns ein ganzes Leben.

Die erste Erklärung drängt sich sofort auf: Die Polen können nicht wirtschaften, haben keine Disziplin, sind schlampig. Darf ich hier leise daran erinnern, daß die gleichen Polen vor dem Kriege ausgezeichnete Nähmaschinen, erstklassige Fahrräder, hervorragende Eisenwaren Marke „Gerlach“, die solidesten Autos in Europa, die „polnischen Fiats“, die berühmten Bielitzer Tuche, die besten Flugzeuge ihrer Klasse produziert haben? Niemand rannte in Polen importierten Artikeln nach. Das Argument der Unfähigkeit zu wirtschaften überzeugt mich also nicht, auch wenn es eine lange und ruhmreiche Tradition hat. Mir scheint, daß hier ein anderes Phänomen im Spiel ist.