Welchen erwachsenen Bildungsbürger kommt in diesen Tagen nicht der blasse Neid an, wenn er an die eigene Schulzeit zurückdenkt? In Hamburg, Hannover und bald wohl auch im Süden der Republik treten die Pennäler vom 13. Lebensjahr an aufwärts in Warnstreiks gegen den Plan von Pädagogen und Kultusministern, das Abitur wieder ein bißchen zu dem zu machen, was es einmal war: zu einer Leistungs- und Reifeprüfung.

Unsere Youngsters wittern hinter dem Vorhaben, ihnen in Zukunft wieder Deutsch bis zur gültigen Rechtschreibung, Mathematik statt „Rechnungslehre“ und eine Fremdsprache bis zum gewandten Sprechen beizubringen, nur blankes Elitedenken. „Auslese statt Förderung“ solle da betrieben werden; die ärmeren Schüler würden benachteiligt, weil deren Eltern allfällige Nachhilfestunden nicht bezahlen könnten.

Wie mühsam haben wir Älteren doch unsere Lernfaulheit kaschieren müssen, zum Beispiel vor den Sommerferien mit dem Spruch an der Wandtafel: „Es ist schon immer Brauch gewesen, am letzten Tag wird vorgelesen.“ Aber am Ende haben wir uns halt auf den Hosenboden gesetzt und ein Abitur gemacht, welches seinen Namen verdiente. Oder wir sind aufrecht durchgefallen.

H. Sch.