Bayerns Wirtschaftsminister Anton Jaumann hält Francesco Tatò für einen „vernünftigen Mann“ – und er hofft, daß sich der Italiener den Holländer Hermanus Koning zum Vorbild nimmt. Tatò ist von Olivetti-Chef Carlo De Benedetti im vergangenen Jahr als Sanierer nach Nürnberg geschickt worden, um dort die vom Volkswagenwerk an den italienischen Konzern verkaufte Büromaschinen- und Computerfirma TA Triumph-Adler AG zu sanieren.

Koning, den Vorstandsvorsitzenden der Grundig AG, hatte der Philips-Konzern ins benachbarte Fürth beordert. Er trat vor genau drei Jahren in dem vom Gründer Max Grundig in große Schwierigkeiten hineinmanövrierten Unternehmen die Herrschaft an.

Koning hat seine Sanierungsaufgabe bisher mit Bravour gelöst. In dem eben abgelaufenen Geschäftsjahr 1986/87 konnte Grundig nach sechs Verlustjahren erstmals wieder einen Gewinn erwirtschaften – mindestens fünfzig Millionen Mark, wahrscheinlich sogar mehr.

Im In- und Ausland mußte Koning mehr als 5000 Arbeitskräfte abbauen. Aber durch einen ausgeklügelten Beschäftigungsplan gelang es, das Personal zumindest in den deutschen Werken so elegant und moderat zu reduzieren, daß das soziale Klima gut blieb. Es gelang, einem Teil der von Entlassung bedrohten Arbeiter nach intensiver Schulung einen anderen Arbeitsplatz im Unternehmen zu verschaffen. Der unvermeidliche Personalabbau blieb dadurch hinter den Planzahlen zurück. Statt der angepeilten Belegschaftszahl von rund 18 000 werden heute mit 19 500 im In- und Ausland deutlich mehr beschäftigt als ursprünglich vorgesehen.

Bei Triumph-Adler werden voraussichtlich fünfzehn bis zwanzig Prozent der 6500 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. Wenn sich der Abbau in dem Rahmen hält, den Tatò bisher in zwei Gesprächen mit Jaumann skizziert hat, will der Minister „nicht auf die Barrikaden gehen“. Immerhin sind in Nürnberg von 4180 TA-Mitarbeitern, soweit bisher bekannt, mindestens 760 betroffen.

Es kriselt auch an anderen Stellen. Bei der MAN sieht Jaumann weitere 600 Arbeitsplätze „akut gefährdet“. Deshalb soll sich nun ein besonderer Arbeitsstab unter Leitung eines Spitzenbeamten der Probleme annehmen.

Da trifft es sich nicht gut, daß neuerdings auch im Hause Grundig Sand ins „soziale Getriebe“ geraten ist. Es muß sich nun erweisen, ob der so vielgelobte Koning auch weiterhin die uneingeschränkte Wertschätzung von Betriebsräten und Gewerkschaften genießt und als „Vorbild“ empfohlen werden kann. Der bisher dem Holländer recht freundlich gesonnene erste Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Nürnberg der IG Metall, Gerd Lobodda, hat jedenfalls den Eindruck, daß Koning mit dem Feuer spielt und „dabei ist, den Geist der Kooperation zu zerstören“.