Von Horst Krüger

Doktor! Als ich Ihre Praxis eben verlassen wollte, sagten Sie plötzlich: Wir können ja leider immer nur in den grauen Wintermonaten Urlaub machen, wenn unser Sanatorium geschlossen hat. Wir sind nun schon so oft auf Kreta, in Tunesien, auf Malta und in Andalusien gewesen: schön und gut. Richtiger Sommer war das nie.

Lieber Doktor! In Ihrem Fall rate ich zu Amerika. Für uns Bundesdeutsche ist nach dem Dollarverfall im letzten Jahr da ein ganz neues Ferienziel im Kommen. Wenn Sie das Abenteuer in Freiheit und Sicherheit suchen, würde ich sagen: nur USA. Niemand beschummelt Sie hier so kleinkariert wie die Händler von der Place Pigalle. Niemand bestiehlt oder kidnappt Sie gleich wie in Italien. Mit baskischen Bombendrohungen brauchen Sie auch nicht zu rechnen. Sie sind sicher. Für die Gauner Amerikas sind Touristen einfach zu kleine Fische. Kriminalität setzt hier hochkarätiger an.

Nur mit kleinem Gepäck

Ich entwerfe Ihnen jetzt einen kleinen Reiseplan: höchst konkret. Es ist alles gecheckt und erfahren von mir. Sie können sich darauf verlassen. Nehmen Sie sich sechs Wochen Zeit. Bereiten Sie gar nichts vor. Sie brauchen nur vier Dinge: ein Visum, ein Flugticket, 100 Dollar in bar und eine Kreditkarte. Die Kreditkarte ist das wichtigste. Wunderbar leicht wird das Leben mit ihr. Nur Verbrecher bezahlen noch bar. Was das Flugticket anbelangt, würde ich raten: Frankfurt-San Francisco nonstop und zurück. Nehmen Sie irgendeine Chartergesellschaft: je billiger, um so besser. Man kann da unheimlich sparen. Und belasten Sie sich nicht mit schwerem Gepäck: ein mittlerer Koffer, eine kleine Reisetasche – auf keinen Fall mehr. Bei der Gepäckausgabe im Flughafen San Francisco stehen rechts an der Wand Hoteltelephone. Sie brauchen da nur abzunehmen und zu fragen. Irgendwelche Häuser haben immer Zimmer frei.

Fahren Sie vom Flughafen mit dem Taxi ins Hotel. Halten Sie sich die ersten drei Tage dann autofrei. San Francisco ist genau wie New York eine Stadt für Fußgänger. Solche Ausnahmen muß man auskosten. Am vierten Tag sollten Sie sich ein Auto mieten. Mit der Kreditkarte geht das mühelos und ohne Kaution. Sie sollten dann noch einmal drei Tage San Francisco per Auto einlegen: die Golden Gate Bridge, Sausalito drüben und Berkeley und die Muir Woods. Sie werden ja sehen. Nach einer Woche sollten Sie dann mit dem Auto aufbrechen. Ich empfehle natürlich die berühmte Küstenstraße 1, die Südroute am Pazifischen Ozean. Schöneres haben Sie nie gesehen: Da liegen immer die Glanzpunkte von Italien, Spanien, Norwegen und Griechenland zusammen und sind doch anders: kalifornisch, also übertrieben schön. Machen Sie keine zu großen Strecken. Es ist überall schön, und überall finden Sie Motels und Restaurants, massenhaft. Ich empfehle Monterey und Santa Barbara als Zwischenstationen.

Irgendwann werden Sie in Los Angeles ankommen. Bleiben Sie nur vier oder fünf Tage. Dieses Stadtmonstrum schaffen Sie nie, ist aber auch nicht nötig. Quartieren Sie sich in einem Motel am Meer ein: Santa Monica vielleicht? Mit Ihrer Kreditkarte ist das in drei Minuten erledigt. Und vergessen Sie alle Terminabsprachen. Ob Sie nun drei oder vier Tage gesagt hatten zu Anfang beim Einchecken: Wenn Sie am nächsten Morgen wieder auschecken, wird kein Wort fallen. Sie sind frei.