Der Ärger über japanische Handelspraktiken steigert sich in Großbritannien in einen Aufschrei mit hysterischen Untertönen. Die Regierung hat angekündigt, daß sie eine Liste von Gegenmaßnahmen zusammenstellt, mit denen japanische Firmen getroffen werden können. "Dies ist keine leere Drohung", warnt das Ministerium für Handel und Industrie.

Der burschikose Handelsminister Alan Clark, nicht unbedingt ein entschiedener Anhänger des freien Welthandels, schürte die Erregung mit einem sportlich-militärischen Vergleich: "Wir können nicht ewig Cricket spielen, wenn die andere Seite mit Handgranaten wirft." Es war nicht mehr die sorgfältig gewählte Sprache der Handelsdiplomatie, sondern die unverhüllte Ankündigung, daß sich Großbritannien zu einseitigen Aktionen anschickt, um den "Japs" eine Lektion zu erteilen.

Großbritannien wirkt seit langem im Verein mit anderen westlichen Industrieländern auf die Japaner ein, ihre Überschüsse im Außenhandel abzubauen. Paul Channon, der Minister für Handel und Industrie, forderte unlängst abermals, Japan müsse seine Wirtschaft "internationalisieren" und mehr einführen, weil sonst das Verlangen nach protektionistischen Maßnahmen weiter zunehme, die Handelsnationen wie Japan und Großbritannien schaden würden. "Japan hat dann wahrscheinlich mehr zu verlieren als jedes andere Land."

Ärger regt sich, wenn wieder einmal der Blick auf die Handelsbilanz fällt. Mit 3,7 Milliarden Pfund (rund zehn Milliarden Mark) war Großbritannien im Warenverkehr mit Japan 1986 im Minus. Das waren 45 Prozent des gesamten Defizits im britischen Außenhandel. Unmut schwillt an, wenn schottische Whiskybrenner klagen, ihr Produkt werde von den Japanern steuerlich diskriminiert, oder wenn die EG-Kommission eine neue Beschwerdeliste vorlegt. Man sieht dies als Zeichen dafür, daß Japan keine ausreichenden Anstrengungen macht, seine Märkte für ausländische Produkte zu öffnen. Wenn dieser Prozeß schon zu langsam vonstatten gehe, dann müsse Japan wenigstens auf dem Gebiet der Dienstleistungen liberaler werden. Hier steigerte sich denn auch die britische Frustration in Drohungen.

Großbritannien rechnet sich Chancen aus, an der Liberalisierung des japanischen Fernmeldewesens teilnehmen zu können. Das Unternehmen Cable and Wireless hat eine Beteiligung von zwanzig Prozent an einem der beiden Konsortien, welche sich um die zweite Lizenz für den internationalen Telephonverkehr bemühen. Channon verfolgte die Sache "mit besonderem Interesse". Premierministerin Margaret Thatcher intervenierte persönlich bei ihrem. Kollegen Yasuhiro Nakasone, blieb aber ohne Antwort. Als dann das japanische Postministerium einen Zusammenschluß der Konsortien betrieb, in dem Cable and Wireless auf eine Beteiligung von nur drei Prozent zurückgeworfen würde und keinen Einfluß auf die Geschäftspolitik hatte, sah man das in London als einen "Schlag ins Gesicht" und einen Beweis dafür an, daß Japan Ansätze zur Liberalisierung schließlich doch abwürge. Frau Thatcher ernannte den Vorgang zu einem "Testfall".

Die Liberalisierung im Fernmeldewesen für Ausländer wäre ein einseitiger Akt der Japaner. Auf diesem Feld können die Briten nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Das Handelsministerium hat deshalb seinen Blick auf ein anderes Gebiet der Dienstleistungen geworfen, nämlich, das Bank- und Wertpapiergeschäft. Hier ist London aufschlossen, Tokio jedoch sehr viel weniger. 58 japanische Institute haben Londoner Lizenzen und spielen ihre beträchtliche Kapitalkraft in der City aus. Umgekehrt sind nur 14 Londoner Häuser in Tokio vertreten. Davon sind nur drei an der Börse, wo nach japanischer Darstellung "Raumprobleme" bestehen.

Das britische. Gesetz für Finanzdienste enthält einen Passus über Gegenseitigkeit. Danach können die Behörden Firmen aus solchen Ländern Lizenzen entziehen, die britischen Unternehmen nicht die gleichen günstigen Bedingungen gewähren. Der zuständige Minister Michael Howard wird am 4. April nach Tokio reisen. Er wird aus seinem Dossier Belege über das Ungleichgewicht zitieren und den Japanern vorwerfen, daß sie die Bearbeitung von Anträgen hinauszögern oder Ausflüchte gebrauchen. Er wird darauf verweisen, daß London nicht zögern werde, das Gesetz zu benutzen.