Die SPD sieht nach der raschen Entscheidung über den Nachfolger Brandts die Wahlchancen in Hessen wieder optimistischer. Bundesgeschäftsführer Glotz: „Wir sind davon überzeugt, daß wir es in Hessen packen.“ Glotz meint, die Umfragen unterschiedlicher Institute zeigten deutlich, „daß die CDU zurückfällt“. Die Forschungsgruppe Wahlen äußerte sich vorsichtiger: „CDU und FDP könnten ungefähr so viele Stimmen erhalten wie SPD und Grüne. Eine Vorhersage des Wahlausgangs ist schon deshalb nicht möglich.“

Die CDU gibt sich nicht ganz so siegessicher wie die SPD, aber sie rechnet sich eine „gute Chance“ aus. Und die Strategen erinnern an die letzte Hamburg-Wahl. Damals hatte die SPD in den Umfragen einen klaren Vorsprung vor der CDU, das Ergebnis aber sah nachher ganz anders aus.

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Das Amt des SPD-Sprechers, dessen mißglückte Besetzung den Anlaß für gewaltiges Rumoren in der Partei und schließlich für den Rücktritt Willy Brandts lieferte, wird bald für einige Wochen verwaist sein. Der gegenwärtige Sprecher, Günter Verheugen, tritt nächste Woche seinen Hochzeitsurlaub an, sein Stellvertreter Heussen ist schon in lange verdienten Ferien. Ob das irgend jemand außerhalb Bonns überhaupt merkt?

Bald nach der Hessenwahl werden auch Brandt, Rau, Glotz und sogar Vogel Urlaub machen. Einige Genossen träumen davon, daß auch Hans-Jürgen Wischnewski dann weit weg seine arabischen Verbindungen pflegt: „Dann sind wir ganz sicher vor negativen Schlagzeilen.“

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Der Bayernkurier hat den entspannteren Beziehungen zwischen FDP und CSU Rechnung getragen und das Glückwunschschreiben von Franz Josef Strauß zum 60. Geburtstag Genschers veröffentlicht. Darin heißt es, in den Koalitionsverhandlungen sei deutlich geworden, „daß wir in Urteil und Zielsetzung häufig übereinstimmen. Diese Gemeinsamkeit bildet einen wesentlichen Grundstock für die Solidarität in der kommenden Regierungsarbeit und sollte auch eine Brücke sein, Übereinstimmung zu finden, wo sie noch nicht besteht.“