ZEIT: Herr Streibl, nach Ihrer Überzeugung ist der „Kampf um die Steuerreform“ noch nicht entschieden. Wo sehen Sie noch politische Schwierigkeiten?

Streibl: Meine Bemerkung bezog sich auf die Bonner Oppositionsparteien, in der Regierungskoalition haben wir uns ja auf den Tarif ’90 geeinigt. Das Gesetz bedarf aber noch einer Mehrheit im Bundesrat, und wir haben mehrere Landtagswahlen vor uns. SPD und Grüne lehnen die Steuerentlastungen ab. Der Kampf um Steuerentlastungen wird also in den bevorstehenden Landtagswahlen mitentschieden.

ZEIT: Glauben Sie, daß eine CDU/CSU-Mehrheit im Bundesrat sich querlegen könnte?

Streibl: Nein, das glaube ich nicht. Wenn es Schule machen würde, daß in Bonn gefaßte Steuerbeschlüsse im Bundesrat unter den Unionsparteien noch einmal zerredet werden, dann könnten wir das Politikmachen aufgeben.

ZEIT: Bisher ist die Finanzierung von mindestens 19 Milliarden Mark völlig offen. Was läßt sich davon durch Streichung von Subventionen hereinholen?

Streibl: Hier stellen sich die Kollegen von der FDP immer als die großen „Subventionsabbauer“ dar. Solange sie ihr Konzept nicht auf den Tisch legen, warte auch ich mit konkreten Äußerungen zur Finanzierung ab. Sie wissen, daß unser bayerischer Tarif ’90 mit einem Nettoentlastungsvolumen von rund 38 Milliarden Mark durch Zurückhaltung bei Staatsausgaben finanziert werden sollte. Wir wären also ohne Subventionsabbau und andere steuerliche Maßnahmen ausgekommen.

ZEIT: Es muß aber wohl oder übel bei den Subventionen gekürzt werden...