Es war ein schlimmes Jahr. Mord in Mexiko. Ein Mann und eine Frau brechen im Kugelhagel zusammen. Eine zerschossene Leiche wird am Straßenrand gefunden. Tot liegt ein Mensch im Kofferraum eines Wagens. Die Opfer – Odilon Lopez Urias, Ernesto Flores Torrijos, Norma Moreno Figueroa und Ivan Menendez – waren Journalisten. Seit dem Mai 1984 ist in Mexiko alle zwei Monate ein Journalist ermordet worden. 62 Journalisten wurden tätlich angegriffen, 15 beraubt, entführt, gefoltert.

Überfall in Paraguay. Steine fliegen, Scheiben splittern, Menschen schreien – die oppositionelle Radio-Station Nanduti wird von einer bewaffneten Horde angegriffen. Die Polizei kann die Täter nicht finden, obwohl ihre Autonummern bekannt sind.

Wirtschaftliche Schikanen in Singapur: Wegen unbotmäßiger Berichterstattung darf das amerikanische Nachrichtenmagazin Time statt 18 000 Exemplaren in der Woche nur noch 2000 verkaufen. In Malaysia ist es den Journalisten verboten, Informationen zu veröffentlichen, die nicht von der Regierung bekanntgegeben wurden. Im Iran droht Journalisten die Auspeitschung oder 30 Jahre Haft für „Beleidigung“ des Staates, in Nigeria steht „Falschmeldung“ unter Strafe, in Peru „Respektlosigkeit“, in Großbritannien ist die Veröffentlichung von Informationen verboten, die die Sicherheit des Landes berühren. Zur Zeit soll dort der Chefredakteur der Tageszeitung Independent, Andreas Whittam Smith, gerichtlich zur Preisgabe der Namen seiner Informanten gezwungen werden. In der Bundesrepublik verbietet die ARD dem Magazin Monitor über die Versetzung eines Journalisten zu berichten, der einen kritischen Beitrag über Kernkraft erarbeitet hatte. Der Journalist Hanno Kühnert, der in der ZEIT darüber berichtete, wird dafür vom Südwestfunk bestraft: Die Chefredaktion Hörfunk entschied, daß von Programmbeiträgen Herrn Kühnerts künftig ganz Abstand zu nehmen sei.

Zensur ist weltweit verbreitet und auch immer ganz nah. Oft ist sie uns so nah, daß wir sie gar nicht bemerken: „Wenn Kollegen sich brüsten, sie seien nie in ihrem Leben im Schreiben beschränkt worden, nie würde ihnen ein Gedanke gestrichen, so ist das nur ein Beweis dafür, daß sie sich von selbst innerhalb der Zensurgrenzen bewegen, ihre Denkweise nirgends über die Hürden der vorgeschriebenen Ideologie hinausstrebt“, schrieb Egon Erwin Kisch der Zunft ins Stammbuch. Zensur hat vielleicht nur dieses eine Gute: daß sie uns zeigt, wie verletzlich die angeblich so Mächtigen sind, die ihre Macht gegen den Willen der Menschen durchsetzen wollen. Öffentlichkeit bedeutet da Befreiung, ein Stückchen wenigstens.

Aus diesem Grund ist hier das Schreiben einer südafrikanischen Journalistin dokumentiert, das in ihrer Heimat nicht gedruckt werden könnte, weil es das Unrecht des Regimes entlarvt. S. M.