Alle Welt preist Buddy Rich als den Bigband-Trommler par excellence. Das war er auch. Er hielt seine Orchester per Schlagzeugstock zusammen wie ein Cowboy seine Rinderherde. Und wenn er loslegte, dann swingte alles in seiner Nähe: die Kakerlaken, seine jugendlichen Musiker, die ihn liebten und fürchteten, Frank Sinatra, Peggy Lee, Tommy Dorsey, Artie Shaw und Harry James. Alle schätzten den Swing des gradlinigen Trommlers aus Brooklyn. Doch Rich hatte auch seine filigranen Seiten. Mit dem Pianisten Art Tatum und dem Vibraphonisten Lionel Hampton hat er aus einer Handvoll Evergreens 1955 die swingendsten Funken seiner Laufbahn geschlagen.

Diese Kinder-Ochsentour verdankte er seinen unbarmherzigen Eltern. Sie schickten ihn mit 18 Monaten auf die Bühne, mit vier Jahren tingelte er bereits am Broadway. Mit sechs wurde er von mom und dad durch Australien gehetzt. Mit elf hatte er bereits ein eigenes Orchester. Am Ende seines Vaudeville-Drills konnte er steppen, singen, die Leute mit Quatsch unterhalten und rasende Trommelwirbel schlagen, wobei er sich lässig am Kinn kratzte. Komisch war, daß der Superprofi Hieb bis zuletzt eine musikalische Achillesferse hatte: Er konnte keine Noten lesen. Ein "Vor-Trommler" hämmerte dem Meister so lange die Partituren ein, bis dessen "photographisches Gehör" alles aufgenommen hatte. Verbumfiedelte Kindheit und Jugend hatten ihren Preis.

Er war berühmt und er war boshaft. Letzten Freitag ist Buddy Rich im Alter von 69 Jahren in Los Angeles gestorben.

Michael Naura