Von Ursula Engelen-Kefer

Alle reden von der "Qualifizierungsoffensive" – bei den Arbeitsämtern findet sie statt. Im vergangenen Jahr wurden 530 000 Menschen bei beruflichen Bildungsmaßnahmen unterstützt, das waren 120 000 (oder dreißig Prozent) mehr als im Jahr zuvor. Rund fünf Milliarden Mark gab die Bundesanstalt für Arbeit dafür 1986 aus – immerhin fast die Hälfte des Betrages, den die gesamte deutsche Wirtschaft für die Fortbildung ihrer Mitarbeiter aufwendet. Im laufenden Jahr hat die Nürnberger Behörde für diesen Zweck sogar 5,6 Milliarden Mark bereitgestellt.

Warum engagieren sich die Arbeitsämter so stark in der Weiterbildung? Sie ist das Kernstück einer aktiven Beschäftigungspolitik. Schon im Arbeitsförderunggesetz (AFG) von 1969 wird die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung zur Verhütung von Arbeitslosigkeit betont.

Die steigende Erwerbslosigkeit und die finanziellen Engpässe im Bundeshaushalt haben eine Verschiebung der Akzente zur Folge gehabt. Die Bundesanstalt für Arbeit richtet ihre berufliche Qualifizierungspolitik vornehmlich darauf, den Arbeitslosen durch Weiterbildung den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Das spiegelt sich in den Zahlen wider. Waren 1976 erst rund ein Drittel der Teilnehmer (50 000) zuvor arbeitslos, stieg ihr Anteil im vergangenen Jahr auf zwei Drittel (350 000). Die Zahl der registrierten Arbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt bei 2,25 Millionen, davon waren sechzig Prozent ohne berufliche Qualifikation.

Darüber hinaus hilft die Bundesanstalt mit ihrer Qualifizierungsförderung auch strukturschwachen Branchen und Regionen, insbesondere in den Stahlstandorten und bei den Werften. 1986 gingen in die Küstenregion für berufliche Weiterbildung 1,13 Milliarden Mark aus den Mitteln der Bundesanstalt.

Mit der Qualifizierungsoffensive kann selbstverständlich nicht von heute auf morgen jeder Wunsch nach einer möglichst hochqualifizierten Fachkraft erfüllt werden. Fortbildung und Umschulung sind zeitaufwendig. Außerdem stimmen die Möglichkeiten bei einem Teil der Arbeitslosen nicht immer mit den Erwartungen der Manager überein. Qualifizierung kann nun einmal nicht nur Spitzentechnologie-Schulung sein. Hierfür bringen viele Arbeitslose weder die schulischen noch die beruflichen Voraussetzungen mit. Berufliche Qualifizierung muß sich, wenn sie erfolgreich sein soll, an den Bildungsmöglichkeiten und Fähigkeiten potentieller Teilnehmer orientieren.