In Königswinter ist die Welt noch in Ordnung. Ruhig fließt der Rhein, als wisse er nichts von Gift, und vom Gipfel des Berges funkelt the castled crag of Drachenfels romantisch wie zu Byrons Zeiten, das Super-Millionen-Ding völlig ignorierend, das die Bundesregierung auf dem benachbarten Petersberg nach langjährigem Streit nun, an drei Baukränen sichtbar, als ein Gästehaus errichten will.

Drunten in den Herbergen und Kneipen des einstmals kleinen Fischerdorfes, das zur Bonner Vorstadt mit Autobahnanschluß geworden ist, geht es bescheidener zu. In die volkshochschulartig kargen Räume des Adam-Stegerwald-Hauses hat die Deutsch-Englische Gesellschaft eingeladen, vom 2. bis 4. April, um „Probleme ohne Grenzen“ zu diskutieren.

Diese Konferenz, die alljährlich und nun schon zum 37. Male stattfindet, besticht durch perfekte Organisation, freundlich-höflichen Umgangston und eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Knappheit und Präzision der Debatte. Das liegt an der Besetzung: Von britischen wie deutschen politischen Parteien, Wirtschaftsunternehmen, Universitäten und Medien war, wo nicht die allererste, so doch die beste zweite Wahl vertreten. Zu danken ist es jedoch vor allem zwei Personen: Lilo Milchsack, die die Deutsch-Englische Gesellschaft und ihre Konferenzen sich zum Lebensinhalt gemacht hat und heute „Ehrenvorsitzende“ ist; neben ihr Sir Frank Roberts, dereinst britischer Botschafter in Bonn, in Moskau sowie bei der Nato, der als Präsident langer Jahre jetzt mit Huldigungen verabschiedet wurde und die Geschäfte seinem Nachfolger Sir Oliver Wright übergab.

Mehr Inhalt, weniger Kunst? Es ist leider völlig unmöglich, einigermaßen sinnvoll zu rekapitulieren, was an zwei gedrängt vollen Arbeitstagen in vier Arbeitsgruppen alles zur Sprache kam. Das schafften nicht einmal alle Rapporteure, die nach bewährten Vorbildern am letzten Tag dem Plenum Bericht zu erstatten hatten.

Das Komitee, das jedes dieser Königswinter-Gespräche (wie sie weiterhin heißen, auch wenn sie seit einiger Zeit jedes zweite Jahr in Cambridge stattfinden) sorgfältig und erfolgreich vorbereitet, macht immer wieder den Fehler, das für am wichtigsten gehaltene Thema auf Platz eins zu setzen; die anderen laufen dann ferner und ferner.

Die Arbeitsgruppe 1 sollte sich beschäftigen mit „Ein Wendepunkt in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen“. Ein rechtfertigender britischdeutscher Aspekt wurde der Sache übergestülpt mit Untertiteln wie „Konsequenzen und Chancen für Westeuropa“, „Die Debatte über Kernwaffen in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland“; Einleitung: Theo Sommer; Leitung: John Roper; Berichterstatterin: Hella Pick.

In der Arbeitsgruppe 2 ging es um die „Herausforderungen für die Europäische Gemeinschaft“ – „,Eurosklerose‘ oder auf welchem Wege kann Europa mithalten in einer Welt ohne Grenzen für Geld, Technologie und Informationen?“ Einleitung: Dennis Stevenson; Leitung: Dr. Franz Froschmaier; Berichterstatter: Thomas Kielinger. Die von mir gewünschten 135 Druckzeilen lassen glücklicherweise gar keinen Raum dafür, mir von all dem vielen Gesagten das herauszupicken, was meinen eigenen Überzeugungen am nächsten kommt. Unbestritten war die Gruppe 2, die ziemlich lahm anfing, am Ende die lebhafteste.