Sie können es nie verwinden, solche Eltern zu haben; sie fühlen sich schuldig geboren

Von Dietrich Strothmann

Bücher gibt es inzwischen die Hülle und Fülle darüber, auch Filme und Theaterstücke sind genug vorhanden, sogar Musicals beschäftigen sich mit dem Thema – dem Mord an den Juden. Es liegen auch wissenschaftliche Untersuchungen über die Opfer der nächsten Generation vor: Wie Kinder der damals Davongekommenen noch nach dreißig, vierzig Jahren die Qualen ihrer Eltern, die Prügel, die Folter, den Hunger, die Angst selber erleben, nachts plötzlich aufschreien wie ihre Väter. Aber es gab bisher kaum einen Nachweis darüber, ob und wie die Nachgeborenen der Täter damit fertig geworden sind, daß sie eben dies waren: gleichfalls Opfer ohne Schuld, aber doch Opfer von Mördereltern, die damit leben müssen, wiederum dreißig, vierzig Jahre danach – nachdem sie freiwillig oder unfreiwillig auf die Vergangenheit ihres Vaters gestoßen waren –, daß sie diesen Makel, dieses Kainsmal tragen – schuldig geboren. Dies ist der Titel des schmalen, kleinformatigen, trotzdem aufregenden, verstörenden Buches von

Peter Sichrovsky:

Schuldig geboren. Kinder aus Nazifamilien

Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1987; 173 S., 16,80 DM