Von Marie-Luise Hauch

Hajo Hoffmann ist stolz. Trotzdem bleibt er bescheiden: „Eine gute Idee hat immer viele Väter. Ich habe zunächst nur eine rudimentäre Vorstellung gehabt.“ Der saarländische Wirtschaftsminister sieht sich lediglich als Initiator der Stahlstiftung Saarland. Um die Umsetzung des Gedankens habe sich vor allem derArbeitsdirektor der beiden Stahlunternehmen Dillinger Hütte und Saarstahl, Peter Hartz, verdient gemacht. Hoffmann: „Ein innovativer Mensch.“

Daß die Stahlunternehmen an Rhein und Ruhr inzwischen die Idee aufgegriffen haben, ist für ihn der Beweis, daß die Saar mit diesem Modell „erstmals eine Vorreiterfunktion übernommen hat und nicht immer nur hinterherhinkt“. Das Saarland hat den Ruhr-Industriellen einen Weg aufgezeigt, wie sie bei den angekündigten Massenentlassungen hohe Sozialplan-Kosten umgehen können, indem sie öffentliche Kassen anzapfen, ohne gegen das Subventionsverbot der Europäischen Gemeinschaft zu verstoßen.

Der Trick der Saarländer: Dank der geschickt ausgetüftelten Stiftungskonzeption fließen in Zukunft staatliche Finanzhilfen nicht mehr direkt an den seit Jahren dahinsiechenden Konzern Saarstahl, sondern an die Stiftung. Diese zahlt, als eine Art Auffanggesellschaft, den von Saarstahl freigesetzten Arbeitnehmern künftig in Form einer „Betriebsrente“ die Differenz zwischen Arbeitslosengeld und dem per Sozialplan garantierten Einkommen, das zwischen 50 und 95 Prozent des letzten Nettolohns beträgt.

Der Vorteil für die Empfänger: Da das Geld nicht als Leistung des Arbeitgebers gilt, wird das Arbeitslosengeld in voller Höhe gezahlt.

Wie dies konkret aussieht, macht Hoffmanns Pressesprecher Kalbfuß an einem Beispiel klar: Ein Arbeitnehmer, der zuletzt 2300 Mark verdiente und Anspruch auf 1300 Mark Arbeitslosengeld hat, erhält 700 Mark „Rente“, denn sein Garantieeinkommen liegt bei 2000 Mark.

Finanziert werden soll die Betriebsrente, so jedenfalls sieht es die Stiftungssatzung vor, aus den Einkünften des Stiftungsvermögens in Höhe von siebzig Millionen Mark sowie „aus Einnahmen von Dritten, saarländischen und europäischen Sozialprogrammen und Spenden eines Fördervereins“.