Nach Hessen keine Chance mehr für ein rot-grünes Bündnis?

Von Gunter Hofmann

Wiesbaden, im April

Ein Stück Geschichte, das die SPD in Hessen geschrieben hat, ist zu Ende gegangen. Holger Börner weiß das, als er durch ein Spalier der Jungen Union in den Landtag in Wiesbaden kommt. Lauthals jubelnd skandieren sie: "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei..." Man kann sich leicht ausmalen, was das für ein Moment für Börner gewesen ist. Es sei der "bitterste Tag seiner politischen Laufbahn", gesteht er hinterher vor den Fernsehkameras.

In Hessen, davon war Holger Börner stets überzeugt, "kann die CDU nicht gewinnen, aber die SPD kann verlieren, wenn sie ihre Leute nicht auf die Beine bringt". Zehn Jahre war er hier Regierungschef, 1976 in der Stunde der Not als Nachfolger Albert Osswalds berufen, man kann schon sagen, er habe seitdem "Hessen" auf eine eigentümliche Weise verkörpert.

Börners Hessen: Die Geschichte begann nach dem Krieg mit dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn. Ein "rotes" Hessen, ein Gegengewicht im Herzen der Bundesrepublik vor allem auch gegen Konrad Adenauer, immer in Hab-acht-Stellung gegen den ausufernden CDU-Staat. Ein Hessen mit einer traditionsbewußten SPD. Zinn holte nicht zufällig den emigrierten Max Horkheimer und sein Sozialforschungsinstitut nach Frankfurt zurück.

Ohne Verklärung kann man sagen: Hessische Politik war es, sich gegen extreme Pendelausschläge zu wehren, viel Konservatives und Kleinbürgerliches zu integrieren, sich aber auch mit einer Linken zu arrangieren, der gleichfalls an sozialem Interessenausgleich und möglichst gleichen Startchancen für alle gelegen war. So wurde in den siebziger Jahren die Schulpolitik zum Symbol, Gegner der Bildungsreform mißdeuten das noch heute als Zug zur "Einheitsschule". Weil das so ist, wird Wahlsieger Walter Wallmann, gleichfalls um ein Symbol zu liefern, in der Schulpolitik (Zwangsförderstufe) einiges korrigieren.