Wie photographiert man ein Gesicht, dem nie die Chance gegeben wurde, zwischen „Sissi“ oder „Romy“ zu wählen? Das öffentliche Sissi-Kostüm einer jungen Kaiserin pappte Romy Schneider lebenslang am Körper – „wie Grießbrei“, so empfand es der Filmstar, der in der zweiten Hälfte eines insgesamt nur 43 Jahre währenden Lebens lediglich in Frankreich gefeiert wurde. Während der letzten fünf Jahre bis zu Romy Schneiders Tod (1982) hatte Robert (Bob) Lebeck, Photoreporter des stern und prägende Figur im Bildjournalismus der Bundesrepublik, mehrfach die Gelegenheit, sie bei Dreharbeiten („Gruppenbild mit Dame“, 1976), vor allem aber privat, photographisch zu beobachten. Außerhalb der Posen und Indiskretionen, fernab deutscher Verehrung und Verachtung, zeigte sie sich ungeschminkt und nannte Lebeck von Anfang an „Lebo“. Sogar dies geben die 120 Schwarzweißphotographien atmosphärisch wieder. In der Kneipe von Quiberon tanzte sie mit einem Penner, den letzten Abend vor einer wichtigen Filmszene durchlitt sie im zerwühlten Bett mit Alkohol und Tabletten, in ihren verschiedenen Männern suchte sie die Figur des Vaters Wolf Albach-Retty wieder, zuletzt in Laurent Petin. Im insgesamt zu umfangreichen Textteil des Photobandes wiederholen sich die verschiedenen Romy-Experten – Christiane Höllger, Michael Jürgs, Alfred Nemeczeck, Petra Schnitt – mehrfach. Robert Lebecks Photographien lassen sich nicht wiederholen. (Robert Lebeck: „Romy Schneider“, Letzte Bilder eines Mythos; Edition Stemmle/Verlag Photographie, Schaffhausen 1986; 164 S., Abb., 59,– DM).

Roland Groß