Ein Buch gegen die Denkfaulheit in Sachen Beschäftigung

Von Bert Rürup

Das Buch will nach selbstgestelltem Anspruch einen Überblick „über die wichtigsten Bereiche der aktuellen beschäftigungspolitischen Diskussion (geben), um den gegenwärtigen Handlungsspielraum vorurteilsfrei auszuloten“. Da dies die bewährte gliederungsmäßige Dreiteilung in Theorie, Analyse, Optionen nahelegt, resümieren

  • zunächst Harald Gerfin, Wolfgang Franz, Jürgen Kromphardt und Nikolaus Blattner den gegenwärtigen Stand der beschäftigungstheoretischen Diskussion.
  • Gottfried Bombach, Werner Sengenberger, Kurt W. Rothschild, Heiner Flassbeck und Dieter Vesper untersuchen im zweiten Teil Theorie und Praxis der aktuellen Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Hier werden ausgewählte empirische Befunde zu den Ursachen der Wachstums- und Beschäftigungsprobleme vorgestellt und die gegenwärtige Wirtschaftspolitik kritisch bilanziert.
  • Der dritte, seitenmäßig die Hälfte des Werkes ausmachende Teil versucht, wirtschaftspolitische Lösungsansätze aufzuzeigen. Bernd Rohwer, Hans-Bodo Leibinger, Werner Glastetter, Rüdiger Pohl, Ewald Nowotny, Hans-Jürgen Krupp, Werner Meißner, Fritz W. Scharpf, Ronald Schettkat und Ursula Engelen-Kefer fragen, welchen Beitrag die verschiedenen „zuständigen Politikbereiche – vor allem die spezielle Arbeitsmarktpolitik“ zum Abbau der Arbeitslosigkeit leisten können, wenn die in den beiden vorangestellten Teilen diskutierten theoretischen Beziehungen und faktischen Restriktionen beachtet werden.

Hans Jürgen Krupp, Bernd Rohwer, Kurt W. Rothschild (Hrsg.): Wege zur Vollbeschäftigung – Konzept einer aktiven Bekämpfung er Arbeitslosigkeit. Verlag Rombach, Freiburg 1986; 304 Seiten, 29,80 DM.

Alle Autoren sind sich einig, daß die derzeitige Arbeitslosigkeit nicht monokausal erklärt werden kann. Schon dies unterscheidet diesen Sammelband vorteilhaft von vielen Beiträgen – insbesondere aus dem Kieler Forschungsinstitut –, die die Unterbeschäftigung des Produktionsfaktors Arbeit einseitig an Lohn- und Arbeitseinsatzmodalitäten festmachen und glauben, diesen Mißstand in allererster Linie und fast ausschließlich durch eine Lohnkostenpolitik beseitigen zu können. Hier dagegen wird die Ansicht vertreten, daß das bis Mitte der siebziger Jahre stark gestiegene Lohnniveau, eine zeitweise von der Geld- und Finanzpolitik verursachte Nachfrageschwäche sowie strukturpolitische Versäumnisse Ursachen des Anstiegs der Arbeitslosenzahlen sind.

Bemerkenswert ist, daß eine „technologische Arbeitslosigkeit“ nicht gesehen wird und von einer demographischen Komponente so gut wie keine Rede ist. Diese beiden letztgenannten und ausgeblendeten Faktoren weisen politisch wohltuend, aber analytisch nicht ganz befriedigend auf die wirtschaftspolitische Grundhaltung der Verfasser hin. Letztlich in keynesianischer Tradition stehend, ist das „Aussitzen der Arbeitslosigkeit“ nicht Sache der Autoren; und in der Tat ist es richtig, daß es für den betreffenden Arbeitslosen und dessen Angehörigen völlig unerheblich ist, ob er aus demographiscnen oder strukturellen, konjunkturellen oder politisch verursachten Gründen arbeitslos ist (oder bleibt).