DIE ZEIT

Verwunderung

Kurz und bündig hat Margaret Thatcher bei ihrem Moskauer Besuch eine Welt ohne Kernwaffen als Wunschtraum verworfen. Nun, wenige Tage nach ihrer Abreise, reiben die Sowjets sich die Augen: „Das widerspricht doch nicht nur unserer Position, sondern auch der des amerikanischen Präsidenten.

Eingemauert

Am Freitag werden die Rundfunkräte des Südwestfunks ein schönes Konzept auf ihren Tischen vorfinden: Die Sendung Report Baden-Baden wird bleiben, was sie immer war, ein „kritisches und journalistisches“ Fernsehmagazin; gleichzeitig aber soll sich alles ändern: erweitert, sachgerechter, zeitgemäßer, personell aufgefrischt.

Glaubenskrieg

Schüsse und Schlägereien, Gebete und Geschrei haben den Papst auf seiner Reise durch Chile begleitet. Die Unterdrückten erwarteten von Johannes Paul II.

Niemals normal

Geschichte ist nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart. Was wir sind und haben, ist Gewordenes. So wächst das vermeintlich Abgeschlossene in unsere Zeit hinein.

Anfang nächster Woche verhandelt Außenminister Shultz im Kreml. Verhindert der Spionageskandal einen Durchbruch?: Noch behält Washington die Nerven

Den Eindruck einer Festung mildern die weißen Marmormauern nur wenig. Meilenweit ist das Kanzleigebäude zu sehen. Der Neubau der sowjetischen Botschaft ist ein Klotz neben dem Filigran der Kathedrale auf einem der höchsten Hügel der Hauptstadt, von dem aus die Richtantennen das Pentagon, das Weiße Haus, das Kapitol, das CIA-Hauptquartier, und was sonst noch von Interesse sein mag, anpeilen können.

Zeitspiegel

Die Japaner haben erstmals Schwierigkeiten mit ihrer Ökonomie. Verantworlich für den gebremsten Höhenflug der japanischen Wirtschaft, so will ein Autor wissen, ist eine internationale Verschwörung des jüdischen Großkapitals.

Ein Modell hat versagt

Ein Stück Geschichte, das die SPD in Hessen geschrieben hat, ist zu Ende gegangen. Holger Börner weiß das, als er durch ein Spalier der Jungen Union in den Landtag in Wiesbaden kommt.

Lohn der langen Mühe

Hessens FDP-Vorsitzender Gerhardt hat sich für eine Führungsposition ausgewiesen

Verluste auf allen Seiten

Eindeutiger denn je ging es bei der Landtagswahl in Hessen um die Bündnisfrage SPD und Grüne oder CDU und FDP. Bei der Wahl hat die SPD nun (40,2 Prozent; – 6,0 Prozentpunkte) mehr verloren als die Grünen (9,4 Prozent; + 3,5 Prozentpunkte) dazugewannen, so daß CDU (42,1 Prozent; + 2,7 Prozentpunkte) und FDP (7,8 Prozent; + 0,2 Prozentpunkte) gemeinsam einen hauchdünnen Vorsprung erreichten: Im hessischen Landtag mit seinen 110 Abgeordneten bedeutet das zwei Mandate Vorsprung für die bürgerlichen Parteien.

37. deutsch-englische Gespräche in Königswinter: Der Kongreß tanzte nicht

In Königswinter ist die Welt noch in Ordnung. Ruhig fließt der Rhein, als wisse er nichts von Gift, und vom Gipfel des Berges funkelt the castled crag of Drachenfels romantisch wie zu Byrons Zeiten, das Super-Millionen-Ding völlig ignorierend, das die Bundesregierung auf dem benachbarten Petersberg nach langjährigem Streit nun, an drei Baukränen sichtbar, als ein Gästehaus errichten will.

Wolfgang Ebert: Briefschulden

Sehr geehrter Graf Lambsdorff, ein Appell an Ihr Ehrgefühl: Lassen Sie es nicht zu, daß die FDP offiziell Ihre Geldstrafe bezahlt.

Ben Witter: Angetippt

Was hat ein 70jähriger von den Grünen, bekommt er einen Teil seiner Jugend in anderer Aufmachung wieder zurück: die Pfadfinderzeit, den bedingungslosen Kameradschaftsgeist und die Schmähungen des ausufernden industriellen Glitzerwerks, wenn nicht mehr in dumpfen Liedern, so doch im Demonstrationsgepolter und auf Aufklebern und Abzeichen.

Wahlen in Indonesien: Der Sieger steht schon fest

Inmitten des unablässigen Verkehrsstromes, der sich zäh durch den Acht-Millionen-Moloch Djakarta wälzt, ragen sie wie eine Menschentraube aus der Blechlawine hervor: Junge Männer stehen dicht gedrängt auf offenen Lastwagen und schwenken rote Fahnen.

Paris: Ärger mit Spionen

Die jüngste Episode verlief nach einem mittlerweile als klassisch zu bezeichnenden Muster. Ende März ließ die DST einen Spionagering hochgehen; sieben französische Staatsbürger – darunter eine gebürtige Rumänin und eine gebürtige Russin – wurden beschuldigt, geheime Unterlagen über die europäische Ariane-Rakete entwendet zu haben.

Asylrecht: Vorstoß aus der CDU

Er jedenfalls war der eigentliche Adressat eines Papiers, in dem die Sozialausschüsse ihre „christlich-sozialen Positionen für eine rationale und ethisch verantwortbare Asylpolitik“ beschrieben haben.

Sowjetunion – Israel: Das Eis taut

Die Sowjets wollen ihr Haus in Ordnung bringen“, resümieren Vertreter jüdischer Diaspora-Organisationen ihre Gespräche in Moskau Ende März.

Spanien: Prozeß um das Giftöl

Vergälltes Öl wird für den Tod von 586 Spaniern und die Vergiftung von fast 25 000 Menschen verantwortlich gemacht. Die Hauptangeklagten – meist kleine Ölimporteure – verschanzen sich hinter der Behauptung, sie hätten über den folgenschweren Verwendungszweck des Industrie-Rapsöls nichts gewußt.

BONNER BÜHNE: Alles fließt im Wasserwerk

Scheinheiligkeit", so hat man in der vorigen Parlamentswoche lernen können, ist ein "unparlamentarischer Ausdruck". Hubert Kleinen (Die Grünen) hatte es den Gipfel der Scheinheiligkeit genannt, mit welchen Argumenten die Grünen weiterhin aus dem G 10-Ausschuß zur Kontrolle des Brief- und Fernmeldegeheimnisses und aus der Parlamentarischen Kontrollkommission herausgehalten werden.

Ist Rußland noch zu reformieren?

Widersprüche und Widerstände wachsen, doch Michail Gorbatschows Wagnis eröffnet auch Chancen

Das Sowjetsystem: autoritär, nicht totalitär

Die Sowjetunion ist ein Industriestaat – aber ist sie auch eine Industriegesellschaft? Warum tun sich Politiker und Wissenschaftler so schwer, die Entwicklung in der Sowjetunion angemessen zu definieren? Der Westen findet kein passendes Etikett, das ihm vertraut erscheint: stramme Ideologen konservieren ihr altes Dogma vom totalitären Staat Liberale und Pragmatiker sehen in der UdSSR eine übermäßig reglementierte Industriegesellschaft, die sich schlecht und recht dem Westen anpassen muß.

Wie geht die Reform weiter?

Für den Fortgang der Umgestaltung kommt es darauf an, 1) ob sich diese Elemente verbinden lassen, 2) ob sie einander neutralisieren und abschwächen oder 3) ob sie voneinander isoliert und damit wirkungslos bleiben.

Titelschutz: Frecher Raub

Als vor mehr als tausend Jahren der heilige Bischof Wolfgang in Regensburg eine eigene Schule für seine Domknaben gründete, ahnte er nicht, daß dieser Chor ein Jahrtausend später gezwungen sein würde, sich die "Verkehrsgeltung" seines Namens gerichtlich bescheinigen zu lassen.

Streit um „Report“: Medienereignisse

Willibald Hilf war nicht erschienen. Die Journalisten wären enttäuscht. Der Südwestfunk hatte mit dem Intendanten zu einer blitzartig anberaumten Pressekonferenz über die Weiterentwicklung des Magazins Report Baden-Baden gelockt.

Neonazismus: Rechte Kaderschmiede

In Mannheim ist das gemeinnützige Institut ins Vereinsregister beim Amtsgericht unter dem Namen „Nationaleuropäisches Jugendwerk e.

Dr. Bangemanns Wunder

Von Klaus-Peter Schmid Martin Bangemann, zumindest im Prinzip für die Konjunkturpolitik der Bundesregierung zuständig, ließ sich auf der Hannover-Messe etwas einfallen: die „Einerseits-Andererseits-Konjunktur“.

Chemie: Neuer Stil

In der öffentlichen Auseinandersetzung um die Sicherheit und Sauberkeit der Chemiefabriken machten die Vertreter der Branche nach der Sandoz-Katastrophe nur selten eine gute Figur.

Landesbanken: Rekordsucht

Manche essen Eier, bis sie umfallen, schreiben schier endlose Liebesbriefe oder wandern gar auf Händen in die Kneipe, wenn es nur dazu dient, einmal die Nummer eins, zu sein.

Fernsehwerbung: Zumutung

Spannend war’s schon vor dem Spiel; nicht so sehr wegen der üblichen Spekulationen um Taktik oder Aufstellungen.............

Wolfgang Hoffmann:: Politik der Pleite

An Zufall mochte niemand glauben, als Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen wenige Tage vor der Hessenwahl entschied, die anstehende Teilgenehmigung für den Schnellen Brüter in Kalkar vorerst nicht zu erteilen.

Bonner Kulisse

Die Antwort muß eindeutig „nein“ heißen, doch das käme einer offiziellen Brüskierung Martin Bangemanns gleich. Der hatte nämlich am 18.

Frankreich: Schalten und walten

Er strahlte über das ganze Gesicht: „Es ist heute ein herrlicher Tag!“ Dem französischen Baulöwen Francis Bouygues war soeben „die größte Freude in meinem Berufsleben“ bereitet worden.

Vereinigte Staaten: Rettung von den Yuppies

An unternehmerischen Herausforderungen hat es in den vergangenen zehn Jahren nicht gefehlt. In diese Zeitspanne fallen Energiekrise, die Inflation, die längste Rezession der Nachkriegszeit und radikale Verschiebungen des Währungsgefüges.

Politik der Widersprüche

Ali Kochmann redet sich in Rage: "Wenn die Regierung ihren Liberalisierungskurs fortsetzt, mach’ ich den Laden dicht." Vor zweieinhalb Jahren erst hat Kochmann, ein Senegalese libanesischer Abstammung, in Dakar eine Batteriefabrik gegründet.

Österreich: Eine Maut macht’s möglich

Robert Graf ist in der Klemme. Der österreichische Wirtschaftsminister soll den Ausbau der Autobahnen in der Alpenrepublik vorantreiben, doch die dazu nötigen Millionen fehlen in der Kasse des von ihm verwalteten Bauressorts.

Markt-Report: Ein Hauch von Hausse

Besser als zunächst erwartet hat der deutsche Aktienmarkt die vermutlich größte Belastungsprobe dieses Jahres bestanden. Mit der Placierung der aus Bundesbesitz stammenden Veba-Aktien, der Unterbringung junger Aktien der Aachener- und Münchener Beteilungs-AG, der aus dem Besitz der Merckschen Vermögensverwaltung kommenden Hochtief-Aktien sowie der aus dem Iran zurückgeflossenen Aktien der Deutschen Babcock waren in relativ kurzer Zeit rund fünf Milliarden Mark aufzubringen.

MANAGER UND MÄRKTE

Hat sich der langjährige Chefdevisenhändler des Volkswagen-Konzerns, Burkhardt Junger, bei den Dollargeschäften zu Lasten des Unternehmens doch persönlich bereichert? Jungers Anwalt Bernd Kosswig jedenfalls meint: „Die Staatsanwaltschaft wirft ihm das offensichtlich nun vor.

ZEITRAFFER

Erstmals seit einem halben Jahr sind die Auftragseingänge im Februar wieder gestiegen. Das zumindest registrieren die Statistiker im Bundeswirtschaftsministerium.

Weiter Energie sparen

Buddenberg: Der niedrige Ölpreis hat zu einer Festigung der Wettbewerbsposition des Öls geführt, und das bedeutet in der Tendenz einen leichten Mehrverbrauch.

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