Der Kampf um die Klunker der Herzogin von Windsor – eine Auktion der frivolen Überflüssigkeiten

Von Anna v. Münchhausen

Hier also waren sie, damals im Juni vor 50 Jahren, während ihrer Hochzeitsreise. Hier im Hotel Beau Rivage in Genf. Ein Haus aus der Zeit, bevor in Europa die Lichter ausgingen – Stuck und Marmor, Plüsch und Pomp. In diesem Ballsaal (war der Teppichboden damals schon so großgeblümt?) haben sie diniert und über die Consomme royale hinweg den Blick hinausschweifen lassen. Auf die Uferpromenade mit ihren gestutzten Platanen, den bepflanzten Blumenkübeln, auf die Fontäne mitten im See, die ihre Wasserschleier in den eisblauen Himmel wirft.

Für den Blick auf den See hat heute keiner Zeit. Im Ballsaal schiebt und drängelt sich die Menge, um die Liebesgeschichte des Jahrhunderts in Augenschein zu nehmen – oder besser, was davon übrig blieb. Hinter Schloß und Riegel sind Preziosen ausgebreitet, die die Augen blenden. Edward (nacheinander Prinz von Wales, König Edward VIII, und, nach nicht ganz freiwilligem Abgang im Dezember 1936, Herzog von Windsor) schmückte damit seine Angebetete Wallis (geborene Warfield, geschiedene Spencer und endlich, erst 1936, auch geschiedene Simpson).

Er schenkte, sie nahm, und es gab genug. Ein ums andere Stück kam da zusammen, keine Repräsentationsjuwelen, sondern mehr oder weniger frivole Überflüssigkeiten von enormem Wert. Schmuck als das, was er im Ursprung war – Kultobjekt und gegenständlicher Beschwörungsritus; in diesem Fall diktiert vom Geschmack der Glamour-Trendsetter der dreißiger und vierziger Jahre.

Sowohl die Qualität als auch der schiere Umfang dieser Sammlung lassen das Auktionshaus Sotheby’s von einer Jahrhundertauktion schwärmen. Gleich nachdem bekannt geworden war, daß die Juwelen der im April vergangenen Jahres verstorbenen Herzogin zugunsten des Pariser Pasteur-Instituts versteigert werden sollten, geriet der Markt in Bewegung. „Noch nie“, sagt Sotheby’s Genfer Manager Simon de Pury, war das Interesse der Klientel Wochen vor dem Termin so fiebrig; „noch nie“ mußte die Auktion des großen Andrangs wegen in ein rotweiß gestreiftes Festzelt verlegt werden; „noch nie“ sind vorweg bereits 20 000 Kataloge verkauft worden; und – noch nie wurde die Auktion auf den späten Abend verlegt, damit auch die potenten Bieter in der New Yorker Dependance zu einer ihnen kommoden Tageszeit teilnehmen können.

Heini und Mrs. Getty