Günter Gobrügge, Mitglied der Naturschutzwacht im oberbayrischen Landkreis Landsberg am Lech, hat an einem verlängerten sonnigen Wochenende Dienst im Ammersee-Schutzgebiet: Zeltlager mit Feuerstelle am See, Hunderte von Radfahrern auf schmalen, feuchten Uferwegen, Ruderboote im Seerosengebiet, Angler, Schlauchboote und Sportsegler an Vogelbrutplätzen gehören zu seinen frustrierenden Erfahrungen mit vermeintlichen Freunden der Natur. Doch sein kurzer Bericht offenbart nur die kleineren Sünden mißverstandenen Naturschutzes. Die großen Sünden begingen und begehen fortschrittsgläubige Landreformer, Dorf- und Städteplaner, Landschaftsarchitekten, kurzsichtig gewinnorientierte Landwirtschaftspolitiker und fehlgeleitete Naturschutz-Aktivisten.

Mit Fakten, Photos, Skizzen, mit Reportagen, Karikaturen und Appellen führt Klaus Richarz, beamteter Naturschützer im Artenschutzreferat der Bayerischen Landesregierung, junge Leser in die Voraussetzungen, Bedingungen, in Notwendigkeiten und Probleme lebensraumbewahrenden Naturschutzes ein.

Historische Rückblicke fehlen ebensowenig wie zur Zeit gültige gesetzliche Verordnungen. Neben deprimierenden Verwüstungen zeigt der Autor immer auch Möglichkeiten zur Umkehr, zur Verbesserung, zum Katastrophen-Stopp fünf Minuten vor zwölf. Die Wirklichkeit wird auf diese Weise nicht zum abstrakten Sachbuchwissen. Sie kommt dem jungen Leser als seine eigene Zukunft entgegen – unspektakulär, redlich, mit offensichtlich nur kleinem Verlagsbudget und um so größerem Engagement der Beteiligten.

Grund genug, daran zu erinnern, daß dieses Buch Teil einer Serie ist, die mit den Reihen „Wir tun was“ und „Wir informieren uns“ Kinder und Jugendliche ab zwölf zum aktiven Schutz der Natur und der Umwelt bewegen und in einer sehr locker, ohne den Einfluß des Verlages organisierten „Aktion Ameise“ zusammenführen will ( DIE ZEIT, Nr. 16/11.4.1986).

An die zwanzig Bücher sind bisher erschienen. Zusammen bilden sie eine vorzügliche kleine Ökologie-Bibliothek für den Hausgebrauch, deren Literaturhinweise am Ende jeden Bandes auf gründlichere, differenziertere Informationsquellen hinweisen. Man kann sie als Taschenbuch zu 5,–DM pro Band und in der etwas stabileren Form zum Preis von 5,95 DM kaufen – leider nicht überall ohne Vorbestellung, denn manchen anspruchsvollen Buchhandlungen ist die preisdrückende, nicht nur „Architektenkinder“ ansprechende Aufmachung zu „billig“. Manche Kaufhäuser scheuen die hier aus Preisgründen notwendigen konventionellen Vertriebswege. Das begreife, wer will! Birgit Dankert

  • Klaus Richarz:

„Wir informieren uns – Naturschutz verkehrt. Wie wir Lebensräume verplanen“;