Hat sich der langjährige Chefdevisenhändler des Volkswagen-Konzerns, Burkhardt Junger, bei den Dollargeschäften zu Lasten des Unternehmens doch persönlich bereichert? Jungers Anwalt Bernd Kosswig jedenfalls meint: „Die Staatsanwaltschaft wirft ihm das offensichtlich nun vor.“ Junger, der von Volkswagen fristlos entlassen wurde und seit Sonntag dieser Woche in Braunschweig in Untersuchungshaft sitzt, wies das stets weit von sich und behauptet: „Ich bin völlig unschuldig.“

Vor vier Wochen hatte Volkswagen Anzeige gegen Unbekannt erstattet und einen Schaden aus Devisengeschäften von bis zu 480 Millionen Mark bekanntgegeben. Bald konzentrierten sich die Untersuchungen auf den Frankfurter Devisenmakler Joachim Schmidt, der die verlustträchtigen Dollarkontrakte zwischen Volkswagen und der Ungarischen Nationalbank in Frankfurt eingefädelt, aber nicht korrekt abgewickelt haben soll. Makler Schmidt ist seit Wochen mit unbekanntem Ziel verreist.

Zwischen Schmidt und Junger, so sagt Rechtsanwalt Kosswig, glaube die Staatsanwaltschaft nun eine Verbindung nachweisen zu können. Kosswig: „Die Staatsanwälte meinen, eine Zeugin zu haben, die beweisen kann, daß von Schmidt zu Junger Bargeld geflossen ist.“ Der angebliche Ort der heimlichen Geldübergabe: das Intercity-Bahnhofsrestaurant in Braunschweig.

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Begonnen hatte alles mit großem Aufwand. Bis Ende Februar sollte jeder der mehr als hundert Pharmavertreter des Schweizer Chemiekonzerns Hoffmann-La Roche in der Bundesrepublik bis zu vier Ärzte gewinnen, um ein neues Rheumamittel mit dem Namen Tilcotil in der Praxis zu testen. Geld war reichlich vorgesehen für diese Aktion, die offiziell als klinischer Test der Phase III nach dem Arzneimittelgesetz (AMG) deklariert wurde, tatsächlich aber wohl den Markt bereiten sollte für ein Präparat, das medizinisch heftig umstritten ist und dessen Zulassung durch das Bundesgesundheitsamt (BGA) sich seit fast zwei Jahren immer wieder verzögert. (ZEIT, Nr. 12).

Diesen Verdacht schöpfte offenbar auch das Regierungspräsidium in Freiburg als Aufsichtsbehörde für die deutsche Roche-Tochter. Die Beamten aus Baden forderten ein Gutachten des BGA an, das am 31. März eintraf mit einem eindeutigen Ergebnis: „Abschließend läßt sich feststellen, daß der vorgelegte Prüfplan nicht dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entspricht und damit nicht die Forderungen aus Paragraph 40, Abs. 1, Nr. 7a AMG erfüllt“.

Wenn das Unternehmen die Studie weiterführen wolle, müßten die Mängel behoben werden, meinten die Berliner Pharmaprüfer. Als das Regierungspräsidium jedoch am 1. April bei Hoffmann-La Roche nachfragte, wie das geschehen könne, teilte das Unternehmen mit, die Studie werde nicht weitergeführt.