Baden-Baden

Willibald Hilf war nicht erschienen. Die Journalisten wären enttäuscht. Der Südwestfunk hatte mit dem Intendanten zu einer blitzartig anberaumten Pressekonferenz über die Weiterentwicklung des Magazins Report Baden-Baden gelockt. Denn am gleichen Tag sollte auch gegen den Südwestfunk (SWF) demonstriert werden.

Fernsehdirektor Dieter Ertel und Justitiar Jörg Rüggeberg ließen den Grund von Hilfs Absenz ahnen. Sie offenbarten, daß die „neue Konzeption“ der Sendung noch Überlegungen seien, die erst drei Tage später dem Rundfunkrat zur Entscheidung vorgelegt würden. Hilf wollte den Rundfunkrat wohl nicht über Gebühr desavouieren. Aber der Solidaritätskundgebung für Franz Alts Report mittags im Zentrum von Baden-Baden die publizistische Schau stehlen, das wollte man schon: Rüggeberg meinte, man werde sich dadurch zwar im Rundfunkrat Kritik zuziehen, doch sei es „unjournalistisch“, die Kundgebung nicht zu berücksichtigen.

Was also hatte die Südwestfunk-Riege der Chefredakteure, Programmdirektoren und Justitiare zu sagen? Es fehle „der hochspezialisierte Dokumentationsunterbau“ für ein solches Magazin in Baden-Baden. Mit diesem Verdikt über das eigene Archiv begründete Ertel das Bestreben des Südwestfunks, irgendwann alle Magazine in der ARD zusammenzufassen. Doch vorerst soll Report Baden-Baden drei Planstellen erhalten. Eine Gruppe von 15 freien Journalisten soll zuarbeiten. Die Verträge des Leiters des Magazins sollen auf vier Jahre begrenzt werden. Ob man Franz Alt einen solchen Vertrag anbieten will, war nicht herauszubekommen. Es sei „denkbar“, meinte Rüggeberg. Alt soll jedenfalls nur noch einer von mehreren Präsentatoren der Sendung sein.

Klar wurde, wenn auch unausgesprochen, daß der Fernsehchefredakteur Reinhard Kleinmann das neue Design maßgeblich mitentworfen hat. Kleinmann hatte Moser kritische Stimmen des ARD-Programmbeirats vorgehalten, aber verschwiegen, daß er selbst wegen seines „Meinungs-Reports“, der zu dem Magazin gehört, kräftig gerügt worden war. Auch dies offenbarte die Pressekonferenz.

Insgesamt war viel von gewaltig recherchierendem Journalismus die Rede. Im Juni soll die neue Report-Sendung erstmals zu sehen sein.

Unten in der Bäderstadt formierten sich unterdessen die Teilnehmer der „Solidaritätskundgebung für die Report-Redaktion“, darunter viel Prominenz aus dem linken und liberalen Spektrum der Kultur. Auf einem kleinen Platz vor dem Kongreßhaus fanden sich etwa 200 Menschen ein, mit Spruchbändern und Megaphon protestierten sie an dem schönen warmen Frühlingstag gegen den „Maulkorb für Mahner im Fernsehen“. „Herr Hilf-los, treten sie zurück!“ verlangten die Demonstranten. Ein angetrunkener Badener tummelte sich unter ihnen und rief immer wieder „Kommunisten!“ Sogar zahlreiche SWF-Redakteure erschienen, was ihnen in ihrer peniblen Situation hoch angerechnet werden muß.