In der öffentlichen Auseinandersetzung um die Sicherheit und Sauberkeit der Chemiefabriken machten die Vertreter der Branche nach der Sandoz-Katastrophe nur selten eine gute Figur. Allzu häufig waren ihr Auftritte geprägt von nervenschwacher Abwehr, spitzfindiger Definitionsakrobatik und manchmal auch beleidigter Selbstgerechtigkeit.

Bayer-Chef Hermann-Josef Strenger hat jetzt neue Akzente gesetzt. Die Chemie-Industrie, erklärte er, nehme die Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst, werde sich bemühen, den Schutz der Umwelt und der Sicherheit zu verbessere und wortwörtlich: „Ergeben sich neue Erkenntnisse, werden wir nicht zögern, die Produktion von Erzeugnissen, deren Herstellung wir nicht länger verantworten können, einzustellen.“

Gewiß, Papier ist geduldig, und die Annahme wäre reichlich naiv, jetzt seien die Vorstellungen darüber, was zu verantworten ist, nicht genauso strittig wie vorher. Doch Strengers Worte markiern einen neuen Stil und einen Maßstab, an dem die Chemie-Industrie gemessen wird. hp