Ohne Komfortverlust ließe sich der Stromverbrauch im Haushalt erheblich reduzieren

Von Regine Bönsch

Es ist dunkel und warm im Keller der Technischen Universität Dänemarks. Eher in einem Heizungskeller als einem modernen Labor wähnt sich der Besucher, dem zunächst nur einige Kühlschränke auffallen. „Dieses ist die europäische Variante, dieses die amerikanische“, erklärt Jørgen Nørgård, Leiter der energy group im Kopenhagener Physiklaboratorium III. Er deutet dabei auf Geräte, die sich rein äußerlich kaum von handelsüblichen Kühlschränken unterscheiden. Erst auf den zweiten Blick fällt der etwa 20 Zentimeter große Höhenunterschied auf. Ein kleiner Testraum läßt schon eher erahnen, daß hier etwas Besonderes passiert: Ein mit Holzpaneelen ausgekleideter Umluftraum, in dem überall die Temperatur gleich ist; verschiedene Schreiber und moderne Rechner umgeben die schlichten Kühlschränke.

Schlicht? Rein äußerlich mag dies zutreffen – doch diese Geräte beanspruchen nur noch halb soviel Strom wie die „Marktbesten“. Dies erreichen die „Niedrigenergie-Kühlschränke“ unter anderem durch eine vier Zentimeter dickere Dämmung und neukonstruierte Kompressoren.

Als Jørgen Nørgård 1973 begann, sich mit dem Stromsparen in Haushalten zu beschäftigen, war es für ihn erstaunlich „wie durch einfachste Maßnahmen große Erfolge“ erzielt werden konnten. „Ausgangspunkt für unsere Untersuchungen war eine allgemeine Reduzierung des dänischen Primärenergiebedarfs auf ein Drittel des derzeitigen Verbrauchs. Nichteinstieg in die Kernenergie und ein zukünftiger Verzicht auf Kohlekraftwerke erfordert, neben dem Ausbau anderer Energieträger, die Reduzierung des Stromverbrauchs.“

Wie es möglich ist, ohne Komforteinbuße zu sparen, beweisen die Arbeiten an der Kopenhagener Universität. Im Rahmen eines von der EG finanzierten Forschungsprojektes wurden Prototypen von sparsamen Kühlschränken, Waschmaschinen, Öfen und Herdplatten gebaut und getestet. Von zwei kalifornischen Energieversorgungsunternehmen erhielten die Dänen 1985 den Auftrag, einen stromsparenden Prototyp einer 200-Liter-Kühl-Gefrier-Kombination nach US-Standard zu entwickeln. Nørgård und seine Gruppe konstruierten ein Gerät, das 480 statt üblicherweise 1300 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht. „Bei etwa hundert Millionen US-Haushalten entspricht dies einer totalen Stromersparnis von 70 Terawattstunden pro Jahr beziehungsweise einer Ausgangsleistung von zehn großen Kernkraftwerken“, berichtet Nørgård. „Noch jedoch sind wir weit von solchen Zielen entfernt.“ Nur wenige der internationalen Hersteller seien an der dänischen „Weißen Ware“ interessiert. Eine Serienproduktion ist nicht in Sicht.

Deutsche Hersteller verweisen auf ihre eigenen Fortschritte in puncto Stromsparen. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) beschreibt in seinem „Abschlußbericht 1978-1985“ die erzielten Einsparungen bei Haushaltsgeräten. Dem Bundesminister für Wirtschaft verbindlich zugesagte Einsparungen seien meist um zehn Prozent oder mehr übertroffen worden. Kühl- und Gefriergeräte sparten statt prognostizierter 15 bis 20 Prozent glatte 27,7 Prozent Energie, Waschmaschinen reduzierten in besagtem Zeitraum ihren Verbrauch um 17,6 Prozent. Warmwasserspeicher und Geschirrspülmaschinen wurden gar 30 Prozent sparsamer.