Morbach/Kaiserslautern

In Mannheim ist das gemeinnützige Institut ins Vereinsregister beim Amtsgericht unter dem Namen „Nationaleuropäisches Jugendwerk e. V.“ eingetragen. Die vereinseigene Schulungsstätte liegt in der idyllischen 300-Seelen-Gemeinde Morbach bei Kaiserslautern.

Dort finden Tagungen und Wochenendseminare statt zu so unverfänglichen Themen wie „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“ oder „Europa der Minderheiten“. Laut Programm verfolgt das „Nationaleuropäische Jugendwerk“ (NEJ) hehre Ziele: Es will „dem europäischen Gedanken dienen und die Rolle Gesamtdeutschlands in einem geeinten Europa freier Nationen darstellen und bewerten“.

Als Bildungseinrichtung mit den üblichen Programmattributen „überparteilich“, „überkonfessionell“ und „ausgewogen“ möchte der Vorsitzende Ludwig Bock denn auch sein „Nationaleuropäisches Jugendwerk e. V.“ gern präsentieren. Ein Blick auf die Liste der Mitarbeiter und Referenten der wissenschaftlich verbrämten Bildungseinrichtung legt einen anderen Schluß nahe: Unter biedermännischer Camouflage versucht hier eine rechte Kaderschmiede, an Geld und junge Leute heranzukommen.

Dem Jugendwerk stehen nach eigenen Angaben erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung – die vom Land Baden-Württemberg zuerkannte Gemeinnützigkeit scheint sich auszuzahlen. So können 1987 einige ehrgeizige Projekte realisiert werden, wie der weitere Ausbau des Vereinshauses und die Herausgabe des 40seitigen Studienheftes „Europa“ in einer Auflage von 600 Exemplaren. Außerdem will man über die „Mitarbeiter in vielen Städten Deutschlands“ neurechte Diskussionszirkel etablieren, so zunächst im Raum Köln, Bonn, Frankfurt, Wiesbaden. Sein Publikum sucht sich das NEJ durch die Veröffentlichung der Seminarprogramme beispielsweise in der rechtsextremen Theoriezeitschrift „Nation Europa“ (Auflage 10 000).

Zielgruppe der „Bildungsarbeit“ sind junge Erwachsene, insbesondere, so heißt es, „die Gruppe der aktiven Multiplikatoren (Lehrer, Leiter politischer und religiöser Gruppen, Studenten, Soldaten)“, kurzum „Menschen, die ... aus Idealismus einen ehrenamtlichen Beitrag für Deutschland leisten wollen“. Deshalb lagern wohl im Schuppen des Morbacher Vereinshauses Plakatständer der NPD („Ein Herz für Deutschland“), die die jungen Idealisten bei Wahlkämpfen in den Nachbardörfern aufstellen dürfen.

Selbstverständlich, entrüstet sich Vereinsvorsitzender Bock, habe sein überparteiliches Jugendwerk nichts mit der NPD zu tun. So fügt es sich denn eher zufällig, daß er selbst 1972 in Freiburg für die Nationaldemokraten zur Bundestagswahl antrat. Große Meriten konnte er dabei nicht einstreichen, das gelang erst als Verteidiger der ehemaligen KZ-Aufseherin Hildegard Lächert im Düsseldorfer Majdanek-Prozeß. Die Angeklagte, wegen ihrer Brutalität im Lager, „blutige Brygida“ genannt, wurde des 1196fachen Mordes beschuldigt. Seine wackere Verteidigung brachte Ludwig Bock das einhellige Lob der bundesdeutschen rechten Presse ein, zumal er gegenüber dem britischen Fernsehen die Meinung vertrat, die Gaskammern seien „möglicherweise erst nach dem Krieg errichtet“ worden und hätten vielleicht der Reinigung von Kleidern gedient.