Er strahlte über das ganze Gesicht: „Es ist heute ein herrlicher Tag!“ Dem französischen Baulöwen Francis Bouygues war soeben „die größte Freude in meinem Berufsleben“ bereitet worden. Der Chef des mächtigsten Hochbau-Konzerns der Welt mit 50 000 Mitarbeitern avancierte am vorigen Samstag zum Medienzar. Er und seine Partner wurden auserkoren, Frankreichs größte staatliche Fernsehanstalt TF 1 (Television Française, Canal 1) zu übernehmen.

Der listige selfmade man ging als unerwarteter Sieger aus einem Kampf auf Biegen und Brechen hervor. Niemand hatte Bouygues ernstgenommen, als er sein Interesse an TF 1 bekundet hatte. Der Mann verstehe zwar etwas von Zement und Beton, aber doch rein gar nichts vom Medienwesen. Wie könne ein burschikoser Unternehmer, der sich bislang vor den Journalisten und vor der Öffentlichkeit gehütet habe, nun plötzlich ins Fernsehgeschäft einsteigen?

Und doch setzte sich Francis Bouygues durch. Sein Rivale um die Übernahme von TF 1, Jean-Luc Lagardère, Chef des Rüstungskonzerns Matra und des großen französischen Verlags Hachette, blieb auf der Strecke und hatte, als er seine Niederlage erfuhr, „fast Tränen in den Augen“.

Als die französischen Konservativen vor Jahresfrist an die Macht kamen, ließen sie keinen Zweifel daran, daß die Entstaatlichung des französischen Fernsehens vorangetrieben würde. Für französische Begriffe war das eine kleine Revolution. Während im Rundfunk die privaten Kommerzsender RTL und Europe 1 eine beherrschende Stellung einnehmen, behielt seit Angebinn der Staat die Kontrolle über die drei Fernsehkanäle TF 1, Antenne 2 und FR 3.

Zu den Zeiten von General de Gaulle bestimmte noch täglich der Informationsminister, welche Hauptthemen in den Abendnachrichten behandelt werden sollten. Später sorgte die Regierung dafür, daß stets „verläßliche“ Journalisten an den Schaltstellen saßen.

An diese Tradition hielten sich zunächst auch die Sozialisten, als sie 1981 nach ihrem Wahlsieg die Zügel in die Hand nahmen. Es rollte eine breite Säuberungswelle über die staatlichen Fernsehanstalten, konservative Führungsleute gab es bald nicht mehr. In den folgenden Jahren wurde den Journalisten allerdings ein etwas größerer Freiraum zugestanden, wenn auch der Premierminister Laurent Fabius und ein persönlicher Mitarbeiter von Präsident François Mitterrand, Jean-Claude Colliard, zuweilen massiv intervenierten.

Einen ersten Versuch mit dem Privatfernsehen unternahm dann aber ausgerechnet der sozialistische Staatschef Mitterrand. Er wußte, daß die Linke die Parlamentswahlen im Frühjahr 1986 verlieren würde und daß nach dem Machtwechsel alle linken Fernsehjournalisten kaltgestellt würden. Im letzten Augenblick erteilte er deshalb eigenmächtig, ohne rechtes Ausschreibungsverfahren, zwei Konzessionen für den Betrieb von privaten Fernsehsendern an politische Freunde.