Vor fast zwanzig Jahren brach die Sowjetunion die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Nun kündigt sich zwischen Moskau und Jerusalem Tauwetter an.

Die Sowjets wollen ihr Haus in Ordnung bringen“, resümieren Vertreter jüdischer Diaspora-Organisationen ihre Gespräche in Moskau Ende März. Noch in diesem Jahr, so wurde ihnen zugesichert, sollen rund 11 000 Juden ausreisen dürfen. Auch denke Moskau daran, das Verbot des Hebräisch-Unterrichts aufzuheben, den Bau von Synagogen zuzulassen, koschere Restaurants einzurichten und den Import religiöser Literatur zu gestatten.

Anfang April meldete Israel noch eine weitere Überraschung: Beide Seiten würden Konsulardelegationen ins jeweils andere Land schicken, die sich um ihre dort lebenden Bürger und ihre Liegenschaften kümmern sollen. Dabei soll es nicht nur um verwaiste Botschaftsgebäude gehen: Die russisch-orthodoxe Kirche zum Beispiel besitzt in Israel Grundstücke, Klöster und Kirchen von einigem Wert.

Moskau hätte diese Nachrichten allerdings am liebsten dementiert. Außenamtssprecher Gerassimow versuchte jedenfalls in der vorigen Woche, Erwartungen zu dämpfen: Es gäbe keinerlei Abmachungen über Ausreisequoten für Juden, auch der Reisetermin der sowjetischen Delegation stehe noch nicht fest. Vor allem aber sei kein entsprechender Besuch der Israelis in der Sowjetunion vereinbart. Derartige Informationen zielten nur darauf, „bei den Freunden der Sowjetunion Zweifel zu säen“.

Diese Äußerung spiegelt das sowjetische Dilemma wider. Zwar ist auch Jerusalem daran interessiert, wie Botschafter Rosenne in Washington sagte, „daß die israelische Fahne bald in Moskau aufgezogen wird“. Der Abbruch der Beziehungen, dem sich nach dem Sechstagekrieg von 1967 alle Ostblockstaaten außer Rumänien anschlossen, schadete jedoch vor allem Moskau.

Die Sowjetunion hat die arabischen Länder in den letzten zwanzig Jahren militärisch und finanziell massiv unterstützt, aber dafür insgesamt wenig Dank geerntet. Seitdem über eine Internationale Friedenskonferenz für den Nahen Osten gesprochen wird, ist sie noch weiter an den Rand gedrängt. Die fehlenden diplomatischen Beziehungen zu Israel schränken ihre Mitsprachemöglichkeiten in der Region erheblich ein. Alle Annäherungsversuche an Israel betrachten wiederum ihre arabischen Verbündeten mit Argwohn.

So prüft Moskau seit geraumer Zeit, wie sich beides bewerkstelligen läßt: Einerseits will es die Araber nicht verärgern; andererseits sollen die Beziehungen zu Israel normalisiert werden. Auch der Westen ist sich nicht völlig einig, welchen „Preis“ die zweite Weltmacht für eine Teilnahme an den Friedensgesprächen zahlen sollte.