Die Türkei will zu den bedeutendsten Tourismuszielen Europas aufsteigen. Neue Gesetze schaffen günstige Voraussetzungen für ausländische Investoren.

Die Förderung des Wirtschaftszweigs Tourismus genießt gegenwärtig in der Türkei absolute Priorität. Denn die Prognosen für eine erneute Zunahme des Fremdenverkehrs stehen günstig. Nach Angaben der OECD hatte das Land im Geschäft mit den Fremden 1985 1,2 Millionen US-Dollar eingenommen. Das war, mit 72 Prozent, weltweit die höchste Steigerungsrate bei Deviseneinnahmen.

Von den insgesamt 2,3 Millionen Türkei-Urlaubern des Vorjahres kamen 388 000 aus der Bundesrepublik, knapp dreißig Prozent mehr als 1985. In drei Jahren hat sich die Zahl der Gäste aus der Bundesrepublik mehr als verdoppelt.

In ihrem touristischen Fünf-Jahres-Plan hat die türkische Regierung sechzehn förderungswürdige Regionen ausgewiesen. Dazu gehören bereits bekannte Urlaubszentren wie Antalya, Alanya oder Side, aber auch neue Gebiete wie Canakkala an der Nordwest-, Köycegic an der Südwest- oder Mersin an der Südostküste. Vor deutschen Touristikfachleuten sagte der türkische Tourismusminister Mesut Yilmaz in Berlin, der türkische Staat werde sich nur noch dem Ausbau der touristischen Infrastruktur widmen. Hotelneubauten würden ausschließlich privaten Investoren aus dem In- und Ausland überlassen.

Dazu Ahmet Karkasali, offizieller Repräsentant der Türkischen Industrie- und Handelskammer „tobb“ in der Bundesrepublik: „Wir sind ein Musterland für ausländische Kapitalanleger.“ Interessenten erhielten hohe Steuervorteile, günstige Kredite und freie Entscheidung über die Beteiligungshöhe an neuen Projekten. Zudem seien sie von Import- und Exportzöllen befreit.

Gegenwärtig existieren in der Türkei 107 000 Betten in staatlich lizensierten Unterkunftsbetrieben. Insgesamt sind 600 000 Betten anvisiert, von denen in dieser Saison bereits 12 000 verfügbar sein sollen, bis 1988 weitere 22 000. Staatliche Tourismusbetriebe, wie die Turban-Hotelkette, werden derzeit privatisiert.

Daß der stürmische Ausbau der bisher noch intakten Landschaft schaden könnte, verneint der Tourismusminister. Die Türkei habe aus den Fehlern der Mittelmeeranrainer gelernt. Es gäbe daher Auflagen, die den Bau von Hochhäusern verböten und Baumbestände sowie die Naturregionen an den Stränden schützten. Inwieweit sich künftige Investoren allerdings an diese Gebote halten, bleibt erst noch abzuwarten. Willi Bremkes