Von Kurt Sontheimer

In der auf fünf große Bände geplanten Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist es noch nicht, wie erwartet, zu einem definitiven Abschluß gekommen, der es erlaubte, das gesamte Werk zu bewerten und zu beurteilen. Die Herausgeber und Verfasser haben sich nämlich entschlossen, den fünften Band, der ursprünglich den Zeitraum vom Machtwechsel bis zum Jahr 1980 umfassen sollte, in zwei Bände aufzuteilen, wovon der erste von 1969-1974 geht (Ära Brandt 5/1), während Band 5/II bis zum Zeitpunkt der "Wende" Ende 1982 reichen soll. Band 5/1 ist kürzlich erschienen:

  • Karl Dietrich Bracher,

Wolfgang Jäger, Werner Link (Hrsg.):

Republik im Wandel, 1969-1974 "Die Ära Brandt". Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Band 5/I

Deutsche Verlags-Anstalt und F. A. Brockhaus, Stuttgart 1986; 499 S., 168,– DM

Ursprünglich war vorgesehen, daß Karl Dietrich Bracher, der renommierte Politologe und Zeithistoriker, zu dessen 65. Geburtstag vor wenigen Wochen eine Festschrift erschien (ZEIT Nr. 12 vom 13. 3. 1987), den fünften Band allein schreiben sollte. Bracher hat diese Planung dann korrigiert und zwei jüngere Kollegen aus der Politikwissenschaft gewonnen, die jeweils die Innenpolitik, beziehungsweise die Außenpolitik der sozialliberalen Koalition zwischen 1969 und 1974 darstellen und beurteilen. Bracher selbst hat den dritten Teil bestritten, den er "Politik und Zeitgeist – Tendenzen der siebziger Jahre" überschrieben hat und in dem er mit distanzierter Könnerschaft den Versuch macht, die geistigen und ideologischen Strömungen dieses Zeitraums zu erfassen und in ihrer Bedeutung für diesen Abschnitt der Geschichte der Bundesrepublik zu bewerten. Bracher, dessen kurzes Einführungskapitel in den neuen Band ebenfalls bereits einen Überblick über die Entwicklung vom Machtwechsel bis zur Wende gibt, hat sinnvollerweise seinen Beitrag nicht auf die Zeit der Bundeskanzlerschaft Brandts beschränkt, sondern den gesamten Zeitabschnitt bis in die achtziger Jahre hinein zu erfassen gesucht.