Von Roland Groß

Am Anfang war nur das Eine da, über das kam das Liebesverlangen, und um es zu stillen, teilte es sich in zwei, befruchtete sich und schuf die Schöpfung.“ Damit fing es wohl an, sich zu regen, dieses vertrackte Perpetuum mobile, das Ulla Berkéwicz in ihrem dritten Prosaband „Adam“ als kompakte Gefühlseinheit „Sehnsuchtliebetod“ zusammenfaßt. Der verhemente Empfindungsschub um jene folgenschwere Begebenheit mit Adams Rippe ist vornehmlich im Theaterraum, auf der Bühne, angesiedelt, wo das große Gefühl noch statthaft ist. Die Realität auf den Sperrsitzen des Lebens erscheint dagegen fad.

Die namenlose Protagonistin, auch im wirklichen Leben und nicht nur auf der Bühne eine berserkernde Schauspielerin, rebelliert dagegen, denn: „Ich muß immer wieder leben und sterben. Ich kann die Bilder davon sehen. Es sind nicht die Bühnenbilder. Was bleibt bin ich.“

Die 1951 geborene Ulla Berkéwicz weiß, wovon sie spricht. Seit einigen Jahren arbeitet sie nur noch als Schriftstellerin. Zuvor hatte die ausgebildete Schauspielerin Engagements an den Münchner Kammerspielen und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, das die Kulisse abgibt für ihr Prosastück.

Über die Gründe für diesen tatsächlichen Wechsel von der Kunst ins Leben, von den Bühnendramen in diejenigen Aufführungen, die der schriftstellerische Alltag inszeniert, gibt das Buch Auskunft: „Mein Leben ist das Höllenparadies, die Schmerzen sind nicht mehr zu tragen ... ich hab’ endlos genug davon auf meiner eigenen Drehscheibe.“

Doch vorläufig spielt sie noch, 180 Seiten lang, die Rollen als „Lore Lay“ oder „Lilofee“: mystischmärchenhafte, modernistische Konzentrate, in denen sich, zum Beispiel, Bischöfe und Mönche, angesichts der Schönen vom Rheinfelsen, in zölibatären Krämpfen winden. „Warum tat Gott das, daß er Adam zertrennte und in zwei Bilder brachte“, so brüllt der sicherlich auch dem Hermaphrodit nachtrauernde Bischof den lediglich neun Zuschauern im Hamburger Schauspielhaus entgegen. (Armer Zadek!)

In der Dachwohnung am Nonnenstieg verbringt die Lore Lay ihre Tagträume. Schlafen mit Nachtschweiß, und die Telephonschnur geht bis zum Bett, bis zur Badewanne. Flori, ehemaliger Geliebter und Schauspielerkollege, ist in seinem Haus verbrannt, hatte sich aber zuvor von C. getrennt, die jetzt mit Y. zusammen ist. Die Erzählerin will aber nun wiederum mit L. nicht schlafen, um, aus welchen Gründen auch immer, ihre Wut auf C. nicht zu verlieren.