Kurz und bündig hat Margaret Thatcher bei ihrem Moskauer Besuch eine Welt ohne Kernwaffen als Wunschtraum verworfen. Nun, wenige Tage nach ihrer Abreise, reiben die Sowjets sich die Augen: „Das widerspricht doch nicht nur unserer Position, sondern auch der des amerikanischen Präsidenten.“

Ganz bewußt an die Europäer adressiert, hatte Michail Gorbatschow schon Anfang 1986 die Beseitigung aller Atomwaffen vorgeschlagen. In Reykjavik hatten beide Weltmachtchefs den Traum dann weiter geträumt. Vom „militärisch-industriellen Komplex“ in Amerika hätten die Russen Widerstand erwartet. Nicht jedoch von den Europäern, die noch vor wenigen Jahren zu Millionen auf die Straße zogen, um gegen das „Teufelszeug“ zu demonstrieren. Zwar stimmen auch die Regierungen Westeuropas der sich abzeichnenden Null-Lösung bei den Mittelstreckenwaffen zu – aber nicht als ersten Schritt zu einem atomwaffenfreien Kontinent: Null ist nicht ihr Endziel.

Die Weltmächte können eben im Bewußtsein ihrer Riesenarsenale der Abrüstung gelassener entgegensehen als die Europäer, für die jeder Krieg der Untergang wäre und deshalb Abschreckung die einzige Strategie bleibt. Kann Michail Gorbatschow das wirklich nicht begreifen? Dann freilich wäre das gemeinsame europäische Haus, das er so gern beschwört, auf Sand gebaut. cb