Daß Restaurantführer oft enttäuschen, ist verständlich. Zu vieles hängt da ab von Zufällen und Geschmacksvorlieben. Bei Hotels sollte das anders sein. Die sind schließlich dienstags wie freitags die gleichen und haben wenig Möglichkeiten, wie etwa vorgewarnte Restaurateure, Türken zu bauen für inspizierende Beurteiler. Auch müßte es ja gelingen können, die verschiedenen Bedürfnisse verschiedener Gäste zu katalogisieren und dann festzustellen, ob und inwieweit sie erfüllt werden.

Ein gutes Hotel wäre dann ein Hotel, das die Bedürfnisse seiner Gäste befriedigt. Wenn wir jedoch die deutschen Hotelführer durchblättern, dann gibt es das gar nicht: ein gutes Hotel. In Arals Schlummer-Atlas finden wir immerhin „ein gutes bürgerliches Hotel“; aber das ist die zweitniedrigste Kategorie und wird nur noch vom „bürgerlichen Hotel“ unterboten, was beides auf ein betrübliches Bild von unseren Bürgern draußen im Lande hindeutet. Darüber rangieren dann: „sehr komfortables Hotel“, „erstklassiges Komfort-Hotel“ und „erstklassiges internationales Hotel“. Selbst wer verstehen will, was damit gemeint ist, wird „international“ ungern als Qualitätsbezeichnung zulassen.

Varta versucht sich an einer im Grunde nützlichen Trennung zwischen „Ausstattung“ („einfach“, „gut“, „sehr gut“, „großzügig“, „luxuriös“) und „Hotelleistung“ („lobenswert“, „hervorragend“, „erstklassig“). Kann etwas „Lobenswertes“ und „Hervorragendes“ gleichzeitig zweitklassig sein? Auch Varta verstimmt – eine Hotelführer-Disharmonie – dadurch, daß immer wieder eine Oktave zu hoch gegriffen wird.

Ganz auf „Komfort“ stellt Michelin ab, und das ist gewiß kein so schlechtes Kriterium. Von der zweiten bis zur fünften Klasse geht das gut: „großer Komfort“, „sehr komfortabel“, „mit gutem Komfort“, „mit ausreichendem Komfort“. Die sechste Klasse sollte, den Gesetzen der Logik folgend, „mit nicht ausreichendem Komfort“ heißen, aber sie heißt eben schon wieder mal „bürgerlich“. Und die erste Klasse wird ausgezeichnet mit der Qualitätsmarke „großer Luxus, Tradition“. Als ob die immer zusammengehörten!

Über „Luxus“ noch ein wenig nachzudenken, gibt der vierte unserer Kandidaten Gelegenheit: Gault Millau. Da wird schlicht eingeteilt in „Luxus“, „fast Luxus“, „erstklassig“, „gutbürgerlich“, „Gasthof, Pension“.

Jeder hat irgendwelche Vorstellungen von einem „Luxus-Hotel“: livrierte Diener, dicke Teppiche, Schwellenangst, exorbitante Preise ... Seien wir so objektiv, wie es der Duden möglich macht. Dort finden wir „Luxus“ erklärt als „Verschwendung, Prunk“. Loben wir ein gutes Hotel wirklich, wenn wir es prunkvoll und verschwenderisch nennen (verschwenderisch auf unsere Kosten)?

Kein Haus ist schlecht