ZEIT: Herr Buddenberg, erstmals in den 80er Jahren ist der Ölverbrauch in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr wieder deutlich um rund fünf Prozent gestiegen. Ist der Spartrend gebrochen?

Buddenberg: Der niedrige Ölpreis hat zu einer Festigung der Wettbewerbsposition des Öls geführt, und das bedeutet in der Tendenz einen leichten Mehrverbrauch. Es gibt aber keine Anzeichen für ein generelles Nachlassen des Energiesparwillens. Die in der Vergangenheit durchgeführten beachtlichen Energieeinspar-Investitionen sind Bestandteil der technischen Entwicklung geworden. Sie sind nicht umkehrbar. So ist die Zunahme im letzten Jahr im wesentlichen auf die höhere Heizölbevorratung bei den Verbrauchern, nicht aber auf einen entsprechenden Mehrverbrauch zurückzuführen.

ZEIT: Weil die Verarbeitung in der Bundesrepublik Verluste brachte, schlossen die Ölgesellschaften viele Raffinerien. Die Kapazität wurde seit 1978 auf achtzig Millionen Tonnen halbiert. Ist das die Untergrenze?

Buddenberg: Der Kapazitätsschnitt im Raffineriebereich war unbedingt erforderlich. Er führte zu einer höheren Auslastung und damit wirtschaftlicheren Nutzung der verbliebenen Anjagen. Wegen der Einbindung des deutschen Marktes in den EG-Raum ist die Fixierung einer Kapazitäts-Untergrenze für die Bundesrepublik nicht sinnvoll. Die erneute Margenverschlechterung im Raffineriebereich seit dem letzten Quartal 1986 zeigt, daß wir europaweit immer noch Raffinerie-Überkapazitäten haben.

ZEIT: Wie wird sich nach Ihrer Meinung in diesem Jahr der Ölpreis und damit der Verbrauch in der Bundesrepublik und den westlichen Industriestaaten entwickeln?

Buddenberg: Der Ölpreis hat sich seit Anfang dieses Jahres auf einem Niveau um achtzehn Dollar pro Barrel stabilisiert. Dies ist ein für alle vernünftiger Preis. Er bringt keine übermäßigen Belastungen für die Verbraucher, wird aber auch den Erfordernissen der Ölproduzenten innerhalb und außerhalb der Opec Gerecht. Wegen der latenten Überschußsituation auf dem Weltölmarkt rechne ich nicht mit einem neuerlich starken Ölpreisschub. Die Opec hat Realitätssinn genug, um durch Förder- und Preisdisziplin einen Preisrutsch wie im Vorjahr zu vermeiden. Die Mineralölpreise in der Bundesrepublik dürften deshalb übers Jahr 1987 gerechnet in etwa den sehr günstigen Durchschnittspreisen des Vorjahres entsprechen. Der Ölverbrauch der westlichen Industrieländer wird nur geringfügig steigen.

ZEIT: Immer häufiger wird davor gewarnt, daß der Ölimport der USA wieder stark steigt, weil dort viele Explorationsvorhaben gestoppt wurden. Deshalb könnte die Opec schon bald wieder mächtig sein. Sehen Sie das ebenso?

Buddenberg: Ausgehend von dem gegenwärtigen Mineralölverbrauch in der westlichen Welt von rund 45 Millionen Barrel pro Tag erwarte ich eine Zunahme der Ölimporte insbesondere für die Entwicklungsländer. Diese müssen zunehmend durch die Opec gedeckt werden, so daß irgendwann in den 90er Jahren wohl eine Trendumkehr der Ölpreispolitik eingeleitet wird. Um diese Entwicklung in Grenzen zu halten, brauchen wir heute ein angemessenes Ölpreisniveau zur Erschließung neuer Ölvorkommen im Nicht-Opec-Raum. hp