Was der „Aufbruch in Moskau“ bezweckt, steht nicht mehr in den Sternen. Michail Gorbatschow präsentiert seine Ziele in vier Etappen:

1985: Intensivierung der Wirtschaft (April-Plenum des ZK);

1986: „Aktive Sozialpolitik“ (27. Parteitag der KPdSU);

1987: Demokratisierung der Gesellschaft (Januar-Plenum des ZK);

1988: Neues Rollenverständnis der Partei (angekündigte Parteikonferenz).

Für den Fortgang der Umgestaltung kommt es darauf an, 1) ob sich diese Elemente verbinden lassen, 2) ob sie einander neutralisieren und abschwächen oder 3) ob sie voneinander isoliert und damit wirkungslos bleiben.

1.) Die positive Entwicklung: Eine Intensivierung der Wirtschaft mit höherer Produktivität und kostensparender Produktion erbringt die Mittel für wohlfahrtsstaatliche Leistungen. Die Aktivierung der Sozialpolitik (Erhöhung der Renten und Familienbeihilfen, Ausbau des Gesundheits- und Bildungssystems) setzt das Wirtschaftssystem unter Druck, Strukturreformen nicht länger zu blockieren. Der Strukturwandel zwingt Partei- und Staatsführung, sozial- und beschäftigungspolitische Maßnahmen auszuarbeiten, um die Folgen der Rationalisierung abzufedern. Durch die aktive Sozialpolitik finden Interessen und Initiativen gesellschaftlichen Gruppen in den Entscheidungsprozeß Eingang. So ist die Demokratisierung der Gesellschaft logischer Bestandteil des politischen Kalküls. Weitere Konsequenz: Neues Rollenverständnis der Partei, Abbau ihres Monopols in der Ideologie und im Gefüge der Institutionen. (In der Tendenz liegen diese Zusammenhänge dem ungarischen Modell zugrunde.)