"Unerhört – Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung 1830 bis heute." Sendereihe in zwölf Teilen. In West 3 vom 10. April an jeden Freitag um 21 Uhr; in Nord 3 vom 11. April an jeden Samstag um 20.15 Uhr; in Hessen 3 vom 12. April an jeden Sonntag um 21.05 Uhr.

Sie wurden gehalten wie die Tiere. Nur war es schlimmer. Ein Tier hat diese Sehnsucht nicht, ein Mensch zu sein, es leidet nicht, wenn ihm alles genommen ist. Den Frauen nahmen die Männer alles.

Eine Frau durfte kein Eigentum besitzen. Eine Frau hatte nicht die Vormundschaft über das eigene Kind. Sie durfte nicht allein aus dem Hause gehen. Eine Frau allein auf der Straße wurde von den Herren als Prostituierte gesehen. Eine Frau hatte nicht das Recht, die eigenen Hausboten einzustellen. Eine Frau hatte nicht das Recht, eine öffentliche Versammlung zu besuchen, sie durfte keine öffentlichen Ämter bekleiden, sie durfte nicht wählen. Sie durfte keine eigene Zeitung herausgeben. Sie durfte ihren Geist nicht bilden, denn denken sollte sie nicht. Sie war in den Augen ihrer Herren nur eins von beiden – ein Arbeitstier oder ein Haustier. Im besten Falle Schoßhündchen für den Herren.

Frauen haben trotz der Zwänge, der Einschüchterung, der Demütigungen, trotz der fürchterlichen Macht des Patriarchats, sie haben trotzdem gedacht und ihre Rechte gefordert. Verzweifelt, wütend wie Hedwig Dohm: "Und wenn man mir sagt, seit Jahrtausenden dauern diese Zustände an, so antworte ich: Ist das noch nicht lange genug?"

Wie lange noch? werden sich fassungslose Frauen fragen, die sich im Fernsehen den anderthalb Jahrhunderte währenden Kampf der Frauenbewegung gegen diese Zustände anschauen. Die Ohnmacht, die Niederlagen, die Rückschritte. Die kleinen Erfolge. Aber es ist doch schon so vieles besser geworden, wer kennt sie nicht, diese Beschwichtigungsformel.

Ein Kampf war die Entstehung des Filmes selber. Fünf Jahre hat es gedauert, bis die Idee der NDR-Redakteurin Barbara Schönfeldt akzeptiert, die Konzeption durchgesetzt war – eine Zusammenarbeit dreier Sender, ein Arbeitsteam mit acht Regisseurinnen und zwei Historikerinnen. Und selbst wenn fünf Jahre noch akzeptabel erscheinen mögen, so kommt diese Serie doch mindestens ein Jahrzehnt zu spät.

Frauen hätten diese Filme gebraucht, als es Anfang der siebziger Jahre noch so etwas wie eine Front der Frauenbewegung gab, einen Kampfgeist unter den Frauen, die den Suggestionen einer Kindheit unterm Nierentisch entkommen wollten. "Aus Jungen werden Leute, aus Mädchen werden Bräute." Was sonst können wir werden? Wo sind die Vorbilder, wo die Utopien? Die Regale der germanistischen Seminare waren mit den Geistesergüssen männlicher Autoren verstopft, da schien kein Platz mehr für die Schriften der Frauen, Unter Ächzen und Stöhnen spuckte das widerwillige Fernleihsystem dann und wann einen vergilbten Band aus, Relikt einer Epoche, in der Frauen heimlich, oft unter männlichem Pseudonym schreiben mußten. Der Rest – vergriffen, vergessen.