Wieder eine Verschwörung

Die Japaner haben erstmals Schwierigkeiten mit ihrer Ökonomie. Verantworlich für den gebremsten Höhenflug der japanischen Wirtschaft, so will ein Autor wissen, ist eine internationale Verschwörung des jüdischen Großkapitals. In einem Traktat, dessen Titel sich ungefähr mit „Wenn Sie die Juden durchschauen, durchschauen Sie die Welt“ übersetzen läßt, macht Masami Uno konspirierende amerikanische Juden als Bösewichte dingfest. Laut Uno waren es die jüdischen Banker an der Wall Street, die den Yen auf seinen Sturzflug schickten, um so die japanische Industrie auszuhungern. Das Taschenbuch ist mit über einer Million verkaufter Exemplare ein absoluter Bestseller. Rund einhundert Bücher antisemitischen Inhalts, darunter das Werk eines Abgeordneten aus dem Oberhaus mit dem Titel „Das Geheimnis der jüdischen Macht zur Kontrolle der Welt“, sind in den Buchläden Tokios zu haben.

Da äne

Mit überwältigender Mehrheit haben die Schweizer am vergangenen Sonntag für eine Verschärfung der Asylgesetze gestimmt. In den Tagen vor dem Referendum trieb die Fremdenfeindlichkeit seltene Blüten. Das erfuhr nicht zuletzt eine Menschengruppe, die in Genf aus dem Zug kletterte. Für die Stadt am Lac Léman waren die zwölf Gestalten vielleicht etwas zu fremdartig gekleidet – mit Bauernkutten und Zipfelmützen. Auf dem Bahnsteig entrollten sie dann auch noch ein Transparent mit der Aufschrift „S Mostis + Aahang vo Kaisten – da äne“. Unverzüglich marschierte die Polizei auf, weil sie eine illegale Demonstration von Asylbewerbern vermutete. Doch es handelte sich lediglich – peinlich für Ordnungshüter des Mehrsprachen-Staates – um eine Familie aus dem aargauischen Kaisten, die mit dem deutschschweizerischen Spruch einen Verwandten auf sich aufmerksam machen wollte, der sie auf dem Bahnhof erwartete.

Fundamentale Hilfe

Sonntag für Sonntag jubelten die Chöre der neuen Sekten von der grenzenlosen Güte Gottes und dem grenzenlosen Bösen des Teufels. Millionen Amerikaner hingen an den Lippen der selbsternannten Prediger, die mit der Bibel in der Hand und altväterlich-fundamentalistischer Auslegung den Beelzebub der modernen Welt austreiben wollten. Abertausende schickten Geld, oft die letzten Ersparnisse, an die wortgewaltigen Apostel des elektronischen Zeitalters. Aber die blieben doch, trotz Show und Brimborium, nur – fehlbare – Menschen. Skandale um Sex, Seitensprünge, Drogenmißbrauch und andere dunkle Machenschaften haben nun manchen Prediger bloßgestellt und ihre Gemeinden zutiefst verunsichert. Und Amerika hilft sich wieder einmal selbst: Die bedrängten Gläubigen können sich auf der Suche nach Rat und Trost an eine neue Hilfsorganisation wenden, die Fundamentalist Anonymus in New York, die „enttäuschten Fundamentalisten die Gelegenheit geben soll, das Trauma der Befreiung mit anderen zu teilen“.