Von Antje Osterweil

Mode macht eine elegante Frau schöner und eine schöne Frau eleganter. Diese Erkenntnis hatte vor 40 Jahren der legendäre Christian Dior und erfand den New Look.

„Tout Paris“, allen voran François Mitterrand, Jacques Chirac und Prinzessin Caroline von Monaco, feierte das Jubiläumsdatum drei Tage lang mit Champagnerempfängen, einer Ballnacht und einer Ausstellung im Musée des Arts de la Mode (untergebracht in einem Seitenflügel des Louvre). Denn in Frankreich hat, anders als in Deutschland, die Kunst der Mode einen hohen Stellenwert.

Als Hommage an den Meister von damals übernahmen Stilisten von heute Ideen dieses gefeierten Looks, wie überhaupt viele Defilees Retrospektiven der Mode mit neuen oder – wie bei Thierry Mugler – futuristischen Akzenten waren.

Karl Lagerfeld zeichnete für zwei Kollektionen verantwortlich: eine unter seinem Namen, eine andere für das Haus Chanel. Seine eigene war ein Feuerwerk sprudelnder Ideen – die Frau, für die er entwirft, ist kokett, verspielt, schätzt seinen Sinn für perfektes Styling im Detail und bei den Accessoires: zum Beispiel das fächerförmige Abendtäschchen zum lachsfarbenen Wildlederminikleid mit Nerzbesatz an Dekollete und Saum. Ein knielanger Redingotemantel im vielfarbigen Wollhahnentritt über leicht ausgestellten Hosen, ist ein Gruß an die fünfziger Jahre. Bevorzugte Farben im Lagerfeld-Winter sind Marine, Schwarz, Grau, Pfirsich, Senf, Waldgrün, Burgunder und Beige.

Frenetischen Beifall erhielt Lagerfeld für seine Chanel-Schau, die er in Reimen vorstellte: „and for this season, short skirts have a reason...“ Rigoros setzte er sich über alle Traditionen des ehrwürdigen Hauses hinweg und schnitt die Röcke so kurz, daß sie nicht mehr mini, sondern mikro sind. So jung, fröhlich, phantasievoll gab es den Chanel-Look noch nie. Der Moderevolutionärin Coco hätte er wohl trotzdem kaum gefallen: Sie hielt das unbedeckte Knie schlicht für schlechten Geschmack.

Lagerfeld zeigt die klassischen Tweedtailleurs unter sportlichen Kapuzen-Dufflecoats, Tweedjacken, Twinsets oder lange Cardigans unter Jacquard-Stricktuniken. Asymmetrische Minifransenröcke sehen aus wie um die Hüfte geschlungene Kaschmirschals. Kräftige Rot-Grün-Braun-Töne haben die typischen blassen Chanel-Farben abgelöst. Verschiedene Karomuster werden miteinander kombiniert. Und abends verwandelt sich K. L. bei Chanel geradezu in einen Edelrocker. Gestepptes Leder wird zu Hosen, Jacken oder Boleros verarbeitet, die mit den typischen Accessoires wie überlangen, mehrreihigen Perlen- oder langen Goldmünzenketten unkonventionell zusammengehalten werden. Hits der Kollektion sind jedoch das Bustierkleid aus Tüll und Vinyl mit Vinylplisseevolants oder auch das asymmetrisch drapierte „Kleine Schwarze“ aus Georgettecrepe mit Satinschulterschleife.