Wildwasserschwimmen heißt ein neues, nicht ganz ungefährliches Urlaubsvergnügen.

Die Idee wurde aus der Langeweile geboren: Weil der Pariser Schwimmtrainer Vincent Ventelou das Wintertraining im Hallenbad für sein Team und sich zu öde fand, überlegten die Pariser Alternativen. „Splanch“ war das Ergebnis des Ideenwettbewerbs, Schwimmen in den Wildwassern der französischen Alpen.

Jetzt wird dieses nasse Vergnügen auch sportlichen und abenteuerlustigen Touristen angeboten, die bei Monsieur Ventelou im Departement Isere bei Bourg St. Maurice Kurse für 100 Mark pro Tag belegen können.

Im Gegensatz zu den ersten französischen Wildwasserschwimmern, die sich noch mit Reifenschläuchen und Säcken gegen Fels und Steine wappneten, bekommen Ventelous Schüler modernste Ausrüstung angepaßt: Neoprenanzug, Helm, Flossen und das motorgetriebene Kunststoffschwimmbrett „Hydrospeed“.

Diese Schwimmhilfe, die auch als Steuergerät dient, ermöglichte es erst, Splanch sportmäßig und nach verschiedenen Schwierigkeitsgraden, die der Fluß bestimmt, zu betreiben. Anfänger werden deshalb in ruhigeren Wildwassern beginnen, bevor sie sich durch Stromschnellen und Strudel zwischen steilen Felswänden treiben lassen.

Deswegen wird auch bei der Ausbildung und später beim freien Sport- und Urlaubsvergnügen vor jeder gefährlichen Flußstelle ein Stopp für die Wildwasserartisten eingelegt, bei dem noch einmal das Für und Wider des Risikos diskutiert wird. Sprechen Gründe, zum Beispiel Hochwasser, gegen den Kampf mit dem nassen Element, dann bricht Ventelou das Schwimmen im reißenden Fluß ab.

Nach Ventelous Angaben müssen Wildwasserschwimmer ähnliche Eigenschaften wie Kajakfahrer oder Bergsteiger mitbringen, denn wie diese ist der Wildwasserschwimmer im Ernstfall völlig auf sich allein gestellt. Aber das richtige Verhalten in den verschiedensten Strömungen und Strudeln lasse sich erlernen, meint Vincent Ventelou. Damit könne auch das Risiko verkleinert werden, wenn auch jeder Fluß ein „ernst zu nehmender Gegner“ bleibe, dessen Kraft niemals unterschätzt werden dürfe. Häufigste Gefahren beim Wildwasserschwimmen: Kopfverletzungen durch Felsen und Steine. Gefahr für den Schwimmer bergen aber auch Aushöhlungen unter Wasser, in die der Fluß den Sportler pressen kann.