In Südafrika sitzen immer noch Tausende willkürlich Verhafteter im Gefängnis. Die meisten von ihnen wissen nicht, warum sie dort sitzen, und keiner von ihnen weiß, wie lange es noch dauern wird. Ihre Familien ahnen nicht, ob die Verschwundenen gefangen, geflüchtet oder ermordet und irgendwo verscharrt worden sind.

Die Regierung Botha, die sich unter dem im Juni 1986 von ihr verkündeten Ausnahmegesetz alles erlauben kann, hat nun auch noch ein Gesetz erlassen, das alle Aufrufe, Fürbitten, Kampagnen, ja auch Abzeichen oder T-Shirts, die an die Gefangenen erinnern, verbietet und mit Strafen bis zu zehn Jahren belegt – nicht zuletzt sogar Gebete. Die Opposition fordert die Bürger auf, dieses Gesetz zu mißachten, und Erzbischof Tutu hat sofort einen Fürbitte-Gottesdienst für die Gefangenen in seiner Kathedrale angesetzt.

Wenn die Bürger dem Appell der Opposition und dem Ruf Tutus folgen, wird es bald keinen Raum in den Gefängnissen mehr geben – das mag die einzige Hoffnung für Südafrikas Schwarze sein. Offenbar darf man in diesem frommen Land nur für die Regierung beten. Man muß staunen, was die Apartheid alles so mit sich bringt. Dff.