Von Gerhard Seehase

Seine Stimme war heiser, fast krächzend. Aber er übertönte damit sogar die plärrende Musik des Karussells von nebenan. "Das müssen Sie gesehen, das müssen Sie erlebt haben!" brüllte er ins Mikrophon und zeigte auf das riesige Plakat über dem Eingang seines Spiegelkabinetts: Der Weg nach Seoul.

"Hier kann jeder selbst testen, ob er olympiatauglich ist. Wer bis zum Ausgang weniger als eine Viertelstunde benötigt, bekommt sein Geld zurück. Wer nur zuschauen will, kann das von draußen tun, völlig kostenlos. Also hereinspaziert, meine Damen und Herren, es lohnt sich."

Die Leute blieben stehen; schaulustig wie Leute nun mal sind auf dem Rummelplatz. Eine sonderbare Prozession schwarzgekleideter Herren näherte sich dem Spiegelkabinett. Die Leute flüsterten sich zu: "Ist das nicht...?" – "Donnerwetter ja, das ist..." – "Wo kommen die denn her ...?" – Und selbst dem Kleinen blieb vor Staunen der Liebesapfel im Munde kleben.

Der Schaubudenbesitzer witterte das Geschäft seines Lebens. Er wurde noch lauter: "Meine Damen und Herren, wie ich gerade sehe, haben wir das einmalige Vergnügen, bei uns eine Delegation des Internationalen Olympischen Komitees zu erleben. Ein Test auf höchster Ebene, sozusagen. Das müssen Sie gesehen haben. Kommen Sie näher. Blicken Sie einmal hinter die Kulissen."

Eine sinnvolle Konstruktion erlaubte es Außenstehenden, in diesen Irrgarten der Spiegel und Spiegelbilder hineinzuschauen. Eine Mikrophonanlage tat ein übriges, um auch die akustischen Reaktionen nach draußen zu übertragen; und so hörten die Leute vor den Scheiben, wie der Delegationsleiter der schwarzgekleideten Prozession schon vor dem ersten Zerrbild sagte: "Meine Herren, wir fallen auf, wir müssen uns amüsieren."

Die seriösen Herren machten sofort ein freundlicheres Gesicht, während sie sich weitertasteten. Einer hatte das Schild entdeckt: "Im Geiste Coubertins." "Hier entlang", rief er. Alle liefen mit.