ARD, 17. 4., 20.15 Uhr: "Da capo" – Film von Bernd Schroeder

Ach, wenn das Fernsehen sprechen könnte. Dann könnte es auch erzählen, in Bildern, die mehr zeigen als das, was sie uns vormachen: von einem kleinen Dorf in Südtirol, einem "Nein"-Wort am Traualtar, einer Flucht vor zwanzig Jahren, von der Frau, die zurückkehrt, von dem Mann, der auf sie gewartet hat, und von dem, den sie mitbringt und der am Ende erschossen wird. Wenn das Fernsehen sprechen könnte, würden wir viel erfahren.

"Alles ist voll Erinnerungen", sagt Franca, als sie nach zwanzig Jahren in ihr Dorf kommt, um bei der Hochzeit ihrer Schwester mitzufeiern. Und die Kamera zeigt einen Platz, der aussieht wie irgendein Platz in einem kleinen Ort in den Bergen, mit einem municipio, einem Tabacchi-Geschäft und stumpfen Pflastersteinen. Alles ist voll Erinnerung, aber die Bilder erinnern sich an nichts und uns höchstens an den letzten Urlaub am Luganer See.

Franca steht in ihrem alten Zimmer vor dem Schrank, nimmt ein Kleid heraus, ihr Hochzeitskleid, probiert es an. Eine intime, berührende Szene. Aber der Regisseur Bernd Schroeder hat nicht einmal zwei Minuten Zeit, ihr zuzuschauen. "Da capo" hat keinen Atem, weil Schroeder den eigenen Bildern nicht traut.

Nachts steht Franca am Fenster und horcht hinaus. Jemand erschießt einen Hund, weil der zu laut gebellt hat. Hinter den Scheiben ist die dunkle Straße, ihre enge, bedrohliche Stille. Das kann man sehen, spüren. Aber am nächsten Morgen, erklärt uns Franca natürlich, was wir gerade gesehen haben: zur Sicherheit.

Franca (Verena Buss) hat Wolfgang, einen Arzt, nach San Stefano mitgebracht, aber jedesmal, wenn Otto Jägersberg den Mund aufmacht, ist er im falschen Film. Jägersberg beim Beziehungsstreit im See-Cafe, das reicht vielleicht für die "Wicherts von nebenan", aber zur Hauptsendezeit möchte man auch mal was anderes sehen.

In "Da capo" geht es natürlich um Grundsätzliches, Deutsche und Italiener, Dorfmoral gegen freie Sitten. Io sono fascista, "ich bin Faschist", sagt Giuseppe, der Mann, vor dem Franca einst weggelaufen ist, und das wird erst einmal ausdiskutiert. Im Gegenschnitt hält Franca lange Selbstgespräche, der Bruder, die Schwester nehmen Anteil, selbst der Pfarrer zeigt sich "interessiert": "Ihre Ansichten damals, die Reaktionen ... in meiner Praxis ist das noch nicht vorgekommen." So, so, Herr Pfarrer. In unserer "Praxis" ist "Da capo" schon das zweite verplauderte Italien-Stück nach der Zoderer-Verfilmung "Die Walsche". Und wenn Otto Jägersberg zu der schönen Verena Buss sagt: "Ich liebe dich, meine Italienerin", wünschen wir uns glühend in die Zeit des seligen Vico Torriani zurück, da die Gondolieri sangen und außer den Schwiegermüttern niemand das große Wort führte.