Inszenierung der Macht – eine Ausstellung im Berliner Wedding

Von Mathias Greffrath

Viele wollen", so hieß es, Aktualität verheißend, in der Einladung, "nun einen Schlußstrich unter die Nachgeschichte des deutschen Faschismus gezogen haben. Zukunftsoptimismus, Technikbegeisterung und Volksbelustigung sind en vogue. In diese Stimmung platzt die Ausstellung "Inszenierung der Macht‘."

Im Kunstquartier Ackerstraße im Wedding spürt die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst der "Ästhetischen Faszination im Faschismus" nach – dort, wo in alten Fabrikhallen der AEG die Technische Universität Logis bezogen hat und Innovatoren in – vom Senat bezahlten – High-Tech-Büros Roboter designen.

Am Eingang ein Hitler-Zitat: daß man mit Argumenten nichts bewege, daß gegen "Widerstände des Gefühls" nur der "Appell an diese geheimnisvollen Kräfte" wirke. Dann achtzig Quadratmeter märkischer Sand im Kasten, dahinter brandigrot und schwarz die bannerbestückte Bühne des Tempelhofer Feldes am 1. Mai 1933 – als Großphoto. Ein Stahlgitter führt über den Sand: der Betrachter möge "das Gefühl erproben, er sei dabeigewesen". In der nächsten Abteilung soll er das Gefühl erproben, das Arno Brekers Skulptur "Die Partei" in ihm erzeugt. Als Photo liegt sie am Boden; man trampelt drüber, an zwei Gittern hängen Photopostkarten und noch kleinere Schnipsel: Griechisches, Bodybuilderisches, Schwules, und ein Spiegel zeigt die eigene, weder glatte noch heroische Außenhaut. Kann man so "testen", ob Brekers Bronze "idolfähig" (ist), ... private Wünsche zu bedienen"?

Nun wird man auf ein Sofa gebeten: immer noch Breker, nun im "architektonischen Umfeld", einer Nachbildung des Ehrenhofs der Reichskanzlei – aber die ist eben auch nur wohnzimmergroß, und das Gefühl der Macht und der Größe will sich nicht so recht von den tapezierten Wänden übertragen.

Dann acht Großphotos "aufgerichteter weiblicher Körper". Aber Aug’ in Aug’ mit den starken Frauen der Herren Klimsch, Thorak und anderer, mit ihren durchtrainierten Turnerkörpern und undeutlichen primären Geschlechtsmerkmalen, einem Frauentyp, dem der Katalogtext Faszination, Attraktivität, Aktivität, Sich-Zeigen und Auf-den-Mann-Zugehen, ja sogar "prostitutiven Charakter" nachsagt – versagt die Einfühlung.