Bei ihren Einsätzen stoßen die humanitären Helfer auf zahllose Hindernisse

Von Rupert Neudeck

Die Mühe der Recherche

Gibt es tatsächlich zwei Millionen Hungernde im Süd-Sudan? Oder verhungern gar so viele? Erlebt die Region eine Katastrophe, die der Äthiopiens von 1984 gleicht? Müssen Hunger-Lager eingerichtet werden, sogenannte "feeaing-centres", Nahrungskrippen für unterernährte Kleinkinder? Wie sind im Süd-Sudan die mehr als 250 000 Uganda-Flüchtlinge versorgt und geschützt, die unter den mörderischen Regimen des Idi Amin Dada, des Milton Apollo Obote, des Tito und Basilio Okello nach Norden über die Grenze flohen? Das waren einige Fragen, die wir, zwei Notärzte, uns stellten, als wir im Dezember 1986 mit einer Boeing 707 der Firma "Nile Safari" in Düsseldorf von der Piste abhoben.

Die Agentur-Meldungen der vorangegangenen Wochen hatten von zwei Millionen Hungernden in einer Not-Situation im Süd-Sudan gesprochen. Doch als ich in Nairobi die Urheber dieser Meldungen sprach, stieß ich wieder einmal auf jene schreckliche Vereinfachung, die Nachrichten allgemein und solche über den humanitären Betrieb im besonderen beherrschen. Man hatte das Internationale Rote Kreuz gefragt: Könnten eine Million Menschen betroffen sein? "Ja", hatte man zögernd-achselzuckend geantwortet. "Könnten es auch zwei Millionen sein?" insistierte der Agentur-Reporter. "Ja, sicher, es können auch zwei Millionen sein ..."

Vier Jahre lang, bis zum Juli 1986, flog Monat für Monat eine Frachtmaschine der Düsseldorfer Firma "Interfreight". Im Juli 1986 weigerte sich die Firma, weiterhin Juba im Süd-Sudan direkt anzufliegen. Kurz darauf schoß die südsudanesische Rebellenbewegung SPLA ein Zivilflugzeug der staatlichen Fluglinie ab, das gerade vom Flughafen in Malakal Richtung Khartoum gestartet war. Bilanz: 54 Tote, richtiger: Ermordete. Seitdem bewunderten viele Beobachter die Sudanese People’s Liberation Army lieber aus der Ferne.

In der Boeing 707 ist Platz für 20 Tonnen Fracht mit etwa 20 Passagieren. Zwei britische Crews flogen diese Maschine. In dem kleinen Passagierraum war ein richtiger Schachtisch zwischen zwei Stuhlreihen aufgebaut. Die Piloten erzählten, diese Boeing sei früher die Privatmaschine des im April gestürzten sudanesischen Diktators Numeiri gewesen.