Über ihre "Entdeckungsreise" in die Welt der Psychotherapie, über weltweit bekannte Therapeuten und ihre Arbeit haben Edith und Rolf Zundel seit Oktober 1984 in dieser Serie in loser Folge berichtet Mit einem Beitrag über Hilarion Petzold, den Begründer der "Integrativen Psychotherapie", beschließen wir die Reihe.

Von Rolf Zundel

Es gibt Menschen, deren Leben sich in einer einzigen, exemplarischen Situation dem Verständnis erschließt. Hilarion Petzold gehört nicht zu ihnen. Da ist nicht das eine Bild, in dem er sich begreifen ließe, viele Bilder drängen sich auf.

Der Zauberer, der scheinbar ganz intuitiv mit wenigen Interventionen genau die Szene hervorruft, die einen Menschen lange bedrängt und gelähmt hat. Er findet sie mit natürlicher Eleganz, wie die Katze eine Maus fängt, und erklärt nicht ganz ohne schnurrendes Behagen, wie er das gemacht hat – lege artis natürlich, in strikter Anwendung eines lehrbaren therapeutischen Verfahrens.

Der Dozent, den ein hingeworfenes Stichwort in lange und druckreife Exkursionen lockt – etwa über die Bedeutung des Ritus in der Psychotherapie ("Wir suchen neue Formen für das, was in alten Kulturen nach vorgegebenem Muster ablief") oder über verschiedene Therapiestile. Unversehens wird ein Kolleg daraus, und während einige Zuhörer von der Müdigkeit sanft davongetragen werden, wandert er unbeirrt durch die Entwicklungsgeschichte der Therapie, erörtert Vorteile und Risiken der verschiedenen Stile, zeigt, wo Berührung oder Abgrenzung, wo Offenheit oder "Abstinenz" ihren Sinn und welchen Sinn sie haben – vergleichende Psychotherapie.

Der Beobachter, den etwas fülligen Körper elegant hingestreckt auf einer Matte, die Beine zierlich geordnet, den Kopf elegant aufgestützt. In dieser Pose etwa könnte man sich Petronius bei einem römischen Gastmahl vorstellen, jeden falschen Ton, jede verunglückte Geste wahrnehmend, unbestechlich, genau – und mit einem leisen Anflug von déjà vu.

Der Zugewandte, der den Schmerz, der im Gewahrwerden alter Wunden aufbricht, nachfühlt, als wäre er sein eigener, der mit einer fast unmerklichen Handbewegung zeigt: ich bin für dich da, und dessen Gesicht an das einer Mutter erinnert, die über ihr krankes Kind gebeugt ist.